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	<title>Nahaufnahme &#8211; StadtWalk: Emden &amp; Ostfriesland</title>
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	<description>Beobachtungen aus Emden und Ostfriesland</description>
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	<title>Nahaufnahme &#8211; StadtWalk: Emden &amp; Ostfriesland</title>
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	<item>
		<title>Mona Bürger, Pastorin</title>
		<link>https://stadtwalk.de/mona-buerger-pastorin/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 20 Sep 2026 14:53:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Plan B eigentlich Plan A ist Ein warmer, sonniger Frühlingstag in Emden. Ich habe den Termin mit Mona Bürger ein paar Tage zuvor verabredet und fahre mit dem Fahrrad zur Martin-Luther-Gemeinde an der Bollwerkstraße. Dort ist Bürger Pastorin im Pfarramt I; neben ihr gehört auch Pastorin Bonna van Hove zum pastoralen Team der Gemeinde. [&#8230;]]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading">Wenn Plan B eigentlich Plan A ist</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Ein warmer, sonniger Frühlingstag in Emden. Ich habe den Termin mit Mona Bürger ein paar Tage zuvor verabredet und fahre mit dem Fahrrad zur Martin-Luther-Gemeinde an der Bollwerkstraße. Dort ist Bürger Pastorin im Pfarramt I; neben ihr gehört auch Pastorin Bonna van Hove zum pastoralen Team der Gemeinde. Das Gemeindebüro, der Küster und die Kirchenmusik sind ebenfalls an diesem Ort untergebracht. Die Bollwerkstraße ist also ein kleiner kirchlicher Knotenpunkt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vor dem Gemeindehaus schließe ich mein Rad an. Eltern kommen mit ihren Kindern und gehen in Richtung Gemeindesaal. Heute ist Kinderchor. Eltern bringen ihre Kinder; viel Hallo, viele freundliche Begrüßungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Da kommt mir Mona Bürger schon entgegen, begrüßt mich und winkt gleich danach noch jemandem drüben am Gemeindesaal zu. Wir gehen in ihr Büro. Es ist hell und geräumig, mit einer großen Bücherwand, einem großen Schreibtisch direkt am Fenster und Blick auf ein fast parkähnliches Stück Grün: Wiese, Bäume, Licht. Direkt am Fenster hängt ein durchsichtiges Vogelhäuschen. Während des Interviews wird es regelmäßig von einer Meise besucht, die sich von uns, kaum zwei Meter entfernt, nicht im Geringsten stören lässt. Nur ab und zu schaut sie kurz herein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir setzen uns an eine Sitzecke mit Tisch. Die Atmosphäre ist locker. Mona Bürger bestätigt einen Eindruck, den ich aus den verstreuten Fundstücken im Internet und vor allem aus ihren Instagram-Beiträgen schon gewonnen hatte: eine sensible junge Frau, die offenbar gerne lacht und zugleich sehr nachdenklich ist. Wir beginnen mit etwas Smalltalk über das Vogelhäuschen, was aber schon sehr gut passt, denn auch Tiere gehören zu Mona Bürgers Geschichte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Der Umweg vom Umweg ist der Weg</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Mona Bürger wollte ursprünglich nicht Pastorin werden. Jedenfalls nicht sofort. Sie wollte mit Tieren arbeiten, oder besser gesagt: Menschen mit körperlichen, seelischen oder geistigen Beeinträchtigungen mithilfe einer tiergestützten Therapie helfen. Meist werden Hunde für diese spezielle Ausbildung eingesetzt. Dafür begann sie ein Studium der Heilpädagogik an der Evangelischen Fachhochschule in Bochum. Zwei Semester lang.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Gedanke dahinter war ihr wichtig. Heilpädagogik interessierte sie, weil sie den Menschen als Ganzes betrachtet und nicht nur einzelne Defizite in den Blick nimmt. Aber sie merkte schnell: Das war nicht ihr Weg. Sie konnte sich selbst nicht in diesem Beruf sehen. Das Studium füllte sie nicht aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gab da ein anderes Thema, das noch etwas versteckt im Hintergrund lag.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mona Bürger ist mit Kirche aufgewachsen. Ihre Mutter war über 30 Jahre Pastorin auf Norderney. Sie selbst hatte gute Religionslehrerinnen, interessierte sich früh für Texte, Glaubensfragen und Deutungen. Trotzdem wollte sie nicht einfach denselben Beruf ergreifen wie ihre Mutter. Vielleicht wollte sie nicht in die Fußstapfen der Mutter treten. Allerdings hatte auch die Mutter Bedenken, dass ihre Tochter diesen Weg einschlägt. Denn sie wusste, was es bedeutet, Pastorin zu sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Irgendwann sagte ihre beste Freundin den Satz, der für Bürger bis heute hängen geblieben ist: <em>„Mona, brich endlich ab und mach Theologie.“</em> Das sind so Sätze, die dürfen nur ganz nahestehende Personen sagen, weil sie einen durchschütteln, ein bisschen schwindlig machen und einem plötzlich klar wird: Stimmt. Das muss ich machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürger brach also ab und begann, Theologie zu studieren. Auch wenn ihr klar war, dass jetzt viele Jahre eines anspruchsvollen Studiums vor ihr lagen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Aufgewachsen mit Kirche</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ihre Eltern waren zunächst nicht begeistert, weil insbesondere ihre Mutter wusste, was der Beruf bedeutet: unregelmäßige Arbeitszeiten, Wochenendtermine, Abendveranstaltungen, ständige Ansprechbarkeit, Öffentlichkeit, Verantwortung. Dazu kommen die größeren kirchlichen Strukturfragen: weniger Mitglieder, weniger Ressourcen, mehr Aufgaben für weniger Menschen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mona Bürger beschreibt diese Bedenken ihrer Eltern vor allem als Sorge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie ist auf Norderney aufgewachsen. Ein Inselpfarramt sei noch einmal anders als ein Pfarramt auf dem Festland, sagt sie. Aber schon als Kind nahm sie wahr, wie sehr dieser Beruf den Alltag prägt. Wochenenden waren nicht einfach frei. Wenn man durch den Ort ging, blieb man regelmäßig stehen, weil Menschen ihre Mutter ansprachen und nie klar war, wann man wirklich dort ankam, wo man hinwollte. Pastorin zu sein hieß also, eine Verbindung zwischen privatem und öffentlichem Leben finden zu müssen, die einen nicht überfordert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mona Bürger empfand das als Kind und Jugendliche allerdings nicht als belastend. Die Türen standen offen. Sie hatte früh Zugang zu kirchlichen Angeboten, war im Posaunenchor aktiv, erlebte Gemeinde als Ort der Begegnung. Vielleicht liegt hier schon eine Spur dessen, was sie heute ausmacht: die Fähigkeit, ohne Vorbehalte mit unterschiedlichen Menschen in Beziehung treten zu können.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">&#8222;Gott kann das ab&#8220;</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Das Theologiestudium begann Bürger in Münster. Später ging sie für ein Semester nach Wien und studierte auch in Tübingen. Die alten Sprachen waren mühsam, besonders Griechisch. Das Examen am Ende war hart. Aber sie bereute den Schritt nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Gegenteil: Besonders im Hauptstudium fand sie das, wonach sie gesucht hatte: Texte, Sprachen, Auslegung, Diskussionen, eigene Schwerpunkte. Das Theologiestudium öffnete ihr Perspektiven, erweiterte ihren Blick und ermöglichte ihr eine selbstständige Interpretation von Texten. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem Glauben machte ihn für sie tiefer und reicher.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein zentraler Punkt in unserem Gespräch. Bürger erzählt nicht von einem Glauben, der vor Fragen geschützt werden muss wie empfindliches Porzellan im guten Zimmer. Sie erzählt von einem Glauben, der Fragen aushalten muss. Der sich verändert. Der durch unterschiedliche Interpretationen nicht kleiner, sondern größer wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie habe nie grundsätzlich an ihrem Glauben gezweifelt, sagt sie. Aber ihr Glaube habe sich verändert. Und sie erlebt es bis heute als Bereicherung, wenn biblische Texte, theologische Traditionen und Gottesbilder neu befragt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Offenheit prägt auch ihre Sprache. Gott muss für sie nicht immer nur männlich gedacht und angesprochen werden. Sie verwendet Begriffe wie <em>„Heilige Geistkraft“</em>. Sie sucht nach Worten, die nicht festschreiben, sondern Räume öffnen. Das ist kein sprachliches Beiwerk, keine modische Verzierung. Sprache verändert, was man sieht. Und was man glauben kann.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Ein liebender Gott</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bei aller Offenheit gibt es für Mona Bürger klare Grundpfeiler. Einer davon ist zentral: Gott ist für sie ein liebender Gott. Ein Gott, der befreit. Ein Gott, dessen Liebe größer ist als menschliches Verstehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dieser Gott wird in Jesus Christus nahegebracht. Nicht als abstrakte Lehre, sondern als Zuwendung. Als Nähe. Als Menschwerdung. Auch die Hoffnung über den Tod hinaus gehört für sie dazu. Sie glaubt nicht, dass mit dem Tod alles aus ist. Sie spricht vom Himmel als einem Ort oder Zustand von Geborgenheit, Frieden und Liebe und weiß zugleich, dass alle Worte dafür vorläufig bleiben. Ihr gefällt die englische Unterscheidung zwischen <em>„sky“</em> und <em>„heaven“</em>, weil der zweite Begriff mehr Freiheit lässt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">An Hölle oder Fegefeuer als Straforte glaubt sie nicht. Auch wenn sie das menschliche Bedürfnis nach Gerechtigkeit versteht und es ihr nicht fremd ist. Gerade angesichts schweren Leids, angesichts von Gewalt und Schuld, wäre es zynisch, einfach von Vergebung zu sprechen. Mit der kirchlichen Rede von Vergebung sei viel Schaden angerichtet worden, besonders dort, wo Opfer unter moralischen Druck gesetzt wurden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürger hält daran fest, dass Gottes Gerechtigkeit nicht unsere Gerechtigkeit ist. Das löst nicht alle Fragen. Es verschiebt sie auch nicht bequem ins Jenseits. Aber es verweigert sich einer Vorstellung, in der Gott am Ende nur die menschliche Straflogik ins Unendliche verlängert.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielleicht, sagt sie, gebe es nach dem Tod einen Moment der Erkenntnis: einen Moment, in dem Menschen sehen, welches Leid sie verursacht haben. Aber am Ende steht für sie nicht ein himmlischer Strafvollzug, sondern das Aufgehobensein in Gott.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">„Manchmal steht mir der Karfreitag näher &#8230;“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Bürger spricht nicht so, als sei ihr Glaube ein Dauerzustand innerer Stabilität. Es gebe Momente, in denen sie näher am Karfreitag sei als an Ostern. Momente von Trauer, Verlust und Schwere. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist stark, weil es etwas zeigt, was Mona Bürger auch in ihren Instagram-Posts immer wieder zum Thema macht: Verzweiflung, Angst, Melancholie.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie geht man damit um? Wie geht eine Frau damit um, deren Beruf und Berufung darin besteht, Menschen zu trösten? Das sind Fragen, die nicht einfach zu beantworten sind. Vielleicht geht es um das Aussprechen, das Teilen, um Empathie und das Aushalten von Zweifel.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für eine Pastorin ist das keine Nebensache. Wer mit Menschen über Tod, Verlust, Angst oder Schuld spricht, braucht keine Phrasen, sondern echtes Mitempfinden, das auch die emotionalen Zustände kennt und durchlebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was ich hier spüre und was sich als roter Faden durch das Gespräch zieht, ist ein tiefes Vertrauen in etwas Stärkeres, das vielleicht nicht immer offensichtlich, aber trotzdem vorhanden ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ostern bleibt für sie zentral. Aber Karfreitag wird nicht übersprungen. Hoffnung ist ein Ort, zu dem man zurückkehren kann, auch wenn man ihn gerade nicht spürt.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Gemeinde als Raum für Fragen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders wichtig ist Bürger die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es passt gut, dass draußen gerade Eltern ihre Kinder zum Kinderchor bringen, während wir über Glauben, Sprache und Kirche sprechen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach ihrer Ordination im Oktober 2023 hat sich ihr eigenes Profil in der Gemeinde nach und nach geschärft. Vieles musste sie erst kennenlernen. Wo passe ich hinein? Was ist mein Auftrag? Was kann ich gut? Was muss ich nicht allein tragen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überraschend wichtig wurde ihr die Arbeit mit Konfirmandinnen und Konfirmanden. Das begann allerdings nicht ohne Hürden: Eine von ihr organisierte Freizeit hatte erst einen Fehlstart und wurde dann, nachdem sie sich von der Situation und der anarchischen Kreativität ihrer Konfirmandinnen und Konfirmanden treiben ließ, eine ganz wunderbare Erfahrung. Dabei geht es ihr nicht nur darum, Vaterunser und Glaubensbekenntnis abzufragen. Natürlich gehören Traditionen dazu. Aber Kirche soll für Jugendliche mehr sein als ein religiöser Pflichtkurs.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie möchte einen Raum schaffen, in dem junge Menschen Fragen stellen dürfen. Auch Zweifel. Auch unbequeme Fragen. Sie sollen Grenzen erkennen lernen, eigene und fremde. Sie sollen erleben, dass Kirche ein Ort sein kann, an dem man sein darf, ohne sofort bewertet zu werden. Manchmal heißt das auch: reden, abhängen, vielleicht Mario Kart spielen. Es gibt schlechtere Einstiege in die theologische Anthropologie.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Sprache verändert Räume</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Mona Bürger auf Sprache achtet, ist kein Zufall. In ihren Predigten, auf Instagram, in Gesprächen und Gottesdiensten denkt sie darüber nach, wie Worte wirken. Sie schreibt viel: Predigten, Gedanken, Texte. Sprache ist für sie nicht Dekoration, sondern ein Werkzeug der Klärung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das gilt auch für geschlechtersensible oder inklusive Sprache. Bürger erlebt ihre Gemeinde in Emden als offen. Sie sagt, sie habe Glück. Selten werde sie angegangen, wenn sie Gott weiblich anspricht oder andere Begriffe verwendet. Aber sie weiß von Kolleginnen, die dafür deutlich schärfer kritisiert werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch sie kennt irritierende Bemerkungen. Über Frauen im Pfarramt, über Auftreten, Haare, Repräsentation. Nicht immer offen feindselig, oft eher beiläufig. Aber gerade das Beiläufige zeigt, wie tief manche Muster sitzen. Man kann sehr höflich an überholten Vorstellungen festhalten und damit sein Gegenüber reduzieren und herabsetzen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürger reagiert darauf nicht mit Abwehrreflexen. Rückfragen findet sie legitim. Sie weiß, dass Begriffe, die ihr selbstverständlich geworden sind, für andere irritierend sein können. Aber sie möchte diese Irritation nicht vermeiden, um den Preis der Sprachlosigkeit. Glaube braucht Worte. Und manchmal braucht er neue Worte.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Die Meise am Fenster</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Während wir sprechen, kommt die Meise wieder ans Fenster. Sie landet am durchsichtigen Vogelhäuschen, pickt, schaut, fliegt weg, kommt zurück. Es ist ein kleines Nebengeschehen, aber es passt zu diesem Gespräch. Zu den Themen, zum Nachdenken, zur Vorläufigkeit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Tiere, mit denen Bürger ursprünglich als Heilpädagogin arbeiten wollte, sind nicht aus ihrer Geschichte verschwunden. Sie tauchen heute anders auf. Etwa bei einem Gottesdienst mit Tieren unter freiem Himmel. Menschen können ihre Tiere mitbringen. Es gibt praktische Regeln: nicht laut klatschen, nicht ständig aufstehen, Rücksicht nehmen. Im vergangenen Jahr war sogar eine Rettungshundestaffel dabei. Auch sie selbst hat einen Hund adoptiert: Aus dem Tierschutz.</p>



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<h2 class="wp-block-heading">Brennen, ohne zu verbrennen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Am Ende führt das Gespräch zurück zu den Warnungen ihrer Eltern. Der Beruf als Pastorin ist erfüllend, aber er kann auch überfordern. Wer diesen Beruf ergreift, brennt oft für etwas: für Menschen, für den Glauben, für Gemeinde, für Hoffnung. Aber wer brennt, kann auch verbrennen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bürger spricht offen darüber, dass sie eigene Grenzen lernen musste und dies auch weiterhin beachten muss. Dass sie nicht alles selbst machen kann. Dass Delegieren nicht immer leichtfällt, gerade wenn man Verantwortung ernst nimmt und anderen nicht zu viel zumuten möchte. Aber eine Gemeinde ist kein Ein-Personen-Betrieb. Und eine Pastorin ist kein liturgisches Schweizer Taschenmesser, auch wenn sie strukturell oft noch so behandelt wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Herausforderung liegt also nicht nur in individueller Selbstorganisation. Sie liegt auch in kirchlichen Strukturen selbst: weniger Mitglieder, weniger Ressourcen, hohe Erwartungen an die Handelnden vor Ort.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und doch bleibt bei Mona Bürger kein resignierter Eindruck. Eher einer von wacher Nüchternheit. Sie sieht die Probleme. Sie kennt die Belastungen. Aber sie hält an etwas fest: an Offenheit, an Sprache, an Fragen, an Jugendlichen, an einer Kirche, die Menschen nicht klein macht, sondern ihnen Raum gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich später wieder mein Fahrrad aufschließe, ist der Kinderchor vermutlich noch irgendwo im Gebäude zu hören oder schon vorbei; solche Nachmittage lösen sich ja meist unspektakulär auf. Geblieben ist bei mir allerdings ein starker Eindruck davon, wie sehr Kirche, Glaube und Theologie Menschen brauchen, die sie — wie Mona Bürger — übersetzen, diskutieren und fassbar machen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Industrie ins Rutschen kommt</title>
		<link>https://stadtwalk.de/wenn-industrie-ins-rutschen-kommt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 15:14:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=431</guid>

					<description><![CDATA[Arbeitgeberverband Nordmetall warnt vor Produktionsverlagerungen Jeder vierte Betrieb der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie plant Produktionsverlagerungen ins Ausland. Das klingt nach Alarm. Und da sollte man vorsichtig sein, denn: Wer schlägt eigentlich Alarm? Grundlage ist die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall, AGV Nord sowie weiterer regionaler Verbände. An der Umfrage beteiligten sich 152 Betriebe mit rund [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Arbeitgeberverband Nordmetall warnt vor Produktionsverlagerungen</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Jeder vierte Betrieb der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie plant Produktionsverlagerungen ins Ausland.</strong> Das klingt nach Alarm. Und da sollte man vorsichtig sein, denn: Wer schlägt eigentlich Alarm?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Grundlage ist die aktuelle Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall, AGV Nord sowie weiterer regionaler Verbände. An der Umfrage beteiligten sich 152 Betriebe mit rund 106.400 Beschäftigten aus Norddeutschland. Die durchschnittliche Auslastung der Branche liegt laut Umfrage bei 81,4 Prozent; für niedersächsische Betriebe wird sogar ein Wert von 77,1 Prozent genannt. Jeder vierte Betrieb prüft oder plant demnach Produktionsverlagerungen ins Ausland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade für eine Region wie Ostfriesland, in der industrielle Arbeitsplätze nicht beliebig ersetzt werden können, ist die Frage erheblich. Wenn Industrie wegbricht, verschwinden nicht nur einzelne Stellen. Es gehen auch Ausbildungswege, technisches Wissen, Zulieferbeziehungen, Kaufkraft und Zukunftsvertrauen verloren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Trotzdem ist Vorsicht geboten. Die Umfrage stammt von Arbeitgeberverbänden, die nicht neutral analysieren, sondern ihre Interessen vertreten. Das macht die Daten nicht wertlos, aber dies sollte man berücksichtigen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Krise ist real</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die deutsche Industrie steht seit Jahren unter Druck. Schwache Nachfrage, hohe Energie- und Materialkosten, internationale Konkurrenz, Zinsniveau, Transformationskosten und unsichere politische Rahmenbedingungen wirken zusammen. In der Metall- und Elektroindustrie kommt hinzu, dass viele Betriebe eng an Automobilbau, Maschinenbau, Elektrotechnik, Schiffbau oder Luft- und Raumfahrt hängen. Wenn dort Investitionen verschoben werden, spüren es die Zulieferer schnell.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nordmetall beschreibt die Lage entsprechend düster. Viele Unternehmen erwarten keine rasche Besserung, ein Teil rechnet mit sinkenden Umsätzen oder höchstens einer „roten Null“( mathematisch sauber ist das nicht ). Laut Umfrage wollen 21 Prozent der Unternehmen in den kommenden drei Monaten Personal abbauen, 51 Prozent den Bestand halten und 28 Prozent Beschäftigung aufbauen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bild ist also nicht einfach: Es gibt Betriebe mit vollen Auftragsbüchern und Personalbedarf. Es gibt andere, die unter zu geringer Auslastung leiden. Und es gibt Unternehmen, die zwar weiter produzieren, aber neue Investitionen nicht mehr selbstverständlich am bisherigen Standort planen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Gerade letzteres ist für Regionen gefährlich. Abwanderung geschieht nicht immer durch eine laute Werksschließung. Manchmal wird einfach die nächste Produktionslinie nicht mehr hier aufgebaut. Dann bleibt der Standort noch eine Weile bestehen, verliert aber Schritt für Schritt seine Zukunft.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Arbeitgeberperspektive</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Arbeitgeberverbände nennen vor allem Standortkosten als Problem: Energiepreise, Materialkosten, Arbeitskosten, Steuern und Abgaben, Bürokratie, fehlende Netzkapazitäten und zu starre Arbeitsmarktregeln. Ihre Forderungen sind entsprechend: Entlastung der Unternehmen, weniger Bürokratie, niedrigere Abgaben, schnellere Genehmigungen, flexiblere Arbeitsmöglichkeiten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Argumente sind nicht aus der Luft gegriffen. Wer produziert, braucht verlässliche Energiepreise, funktionierende Infrastruktur, Fachkräfte und planbare Investitionsbedingungen. Wenn Strom, Netze, Genehmigungen oder Lieferketten nicht verlässlich sind, wird ein Standort unattraktiver.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber die Arbeitgeberperspektive ist eben nur eine Perspektive.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie legt nahe: Wenn die Politik endlich entlastet, bleibt die Industrie. Das kann stimmen. Es kann aber auch zu kurz greifen. Denn Produktionsentscheidungen hängen nicht nur von deutschen Abgaben und Formularen ab. Sie hängen auch von Konzernstrategien, Absatzmärkten, Lohnunterschieden, Subventionen anderer Länder, Lieferketten, Automatisierung, Managemententscheidungen und technologischen Umbrüchen ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Unternehmen verlagert nicht automatisch, weil ein Formular zu lang ist. Manchmal verlagert es, weil ein Konzern weltweit neu sortiert. Manchmal, weil ein Absatzmarkt näher rückt. Manchmal, weil neue Modelle, Plattformen oder Produktionsverfahren anders verteilt werden. Manchmal auch, weil am alten Standort zu lange zu wenig investiert wurde.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was in der Darstellung fehlt</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ausgewogene Betrachtung müsste deshalb stärker nachfragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erstens: <strong>Was bedeutet „plant Produktionsverlagerungen“ konkret?</strong><br>Geht es um bestehende Arbeitsplätze? Um künftige Investitionen? Um einzelne Produktionsschritte? Um komplette Standorte? Oder zunächst um Prüfaufträge in Geschäftsführungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens: <strong>Welche Branchen und Regionen sind besonders betroffen?</strong><br>Die Metall- und Elektroindustrie ist kein einheitlicher Block. Ein Maschinenbauer in Leer, ein Zulieferer im Umfeld von VW Emden, ein maritimer Betrieb, ein Elektrotechnikunternehmen oder ein Unternehmen im Energiesektor haben unterschiedliche Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Drittens: <strong>Was sagen Betriebsräte und Gewerkschaften?</strong><br>Ohne diese Gegenperspektive bleibt die Analyse halb. Die IG Metall beschreibt die industrielle Krise ebenfalls als ernst, betont aber stärker Beschäftigungssicherung, Investitionen, faire Transformation und Schutz vor unfairem Wettbewerb. Bei den jüngsten Stahlprotesten fordert sie politische Unterstützung für klimafreundliche Produktion und den Erhalt industrieller Arbeitsplätze.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Viertens: <strong>Welche Verantwortung tragen Unternehmen selbst?</strong><br>Wer Entlastung fordert, sollte auch sagen, was daraus folgt: Werden Ausbildungsplätze gesichert? Wird vor Ort investiert? Werden Tarifbindung und Beschäftigung gehalten? Oder fließen Entlastungen am Ende nur in eine etwas hübschere Bilanz, die dann trotzdem den Standortwechsel vorbereitet?</p>



<h2 class="wp-block-heading">Der ostfriesische Blick</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ostfriesland ist das Thema besonders sensibel. Die Region ist kein klassisches Schwerindustriezentrum wie das Ruhrgebiet. Aber sie hängt an einigen starken industriellen und infrastrukturellen Knoten: VW in Emden, Hafenwirtschaft, maritime Dienstleistungen, Energie- und Windkraftstrukturen, Zulieferbetriebe, Metallbau, Maschinenbau, Logistik, Schiffbauumfelder und regionale Mittelständler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Struktur ist zugleich Stärke und Schwäche. Stärke, weil sie Wertschöpfung und qualifizierte Arbeit in eine eher periphere Region bringt. Schwäche, weil einzelne Entscheidungen großer Unternehmen enorme Wirkung haben können.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn ein großer Betrieb Investitionen zurückfährt, trifft das nicht nur die Stammbelegschaft. Es trifft Zulieferer, Handwerk, Dienstleister, Gastronomie, Wohnungsmarkt, kommunale Einnahmen und Ausbildung. Industrie ist nie nur Fabrik. Sie ist ein regionales Geflecht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Ostfriesland kommt hinzu: Hier passiert Energiewende. Windkraft, Hafenlogistik, Netzausbau, Wasserstoff, maritime Infrastruktur und industrielle Transformation gehören hier zusammen. Gerade deshalb wirkt es paradox, wenn Unternehmen über fehlende Netzkapazitäten und hohe Energiekosten klagen. Der Strom weht gewissermaßen an der Haustür vorbei, aber kommt offenbar nicht als günstiger Strom in die Betriebe. Das ist vor allem ein politisches und infrastrukturelles Problem.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Was Politik leisten müsste</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Eine ernsthafte Industriepolitik für den Nordwesten müsste mehrere Dinge gleichzeitig tun:</p>



<figure class="wp-block-table"><table class="has-fixed-layout"><thead><tr><th>Bereich</th><th>Leitfrage</th></tr></thead><tbody><tr><td>Energie</td><td>Wie bekommen Betriebe verlässliche und wettbewerbsfähige Energiepreise?</td></tr><tr><td>Netze</td><td>Reichen Stromnetze, Wasserstoffinfrastruktur und Anschlusskapazitäten für neue Produktion?</td></tr><tr><td>Häfen und Verkehr</td><td>Sind Schiene, Straße, Hafen und ÖPNV auf industrielle Entwicklung ausgerichtet?</td></tr><tr><td>Fachkräfte</td><td>Gibt es Ausbildung, Berufsschulen, Wohnraum und Mobilität für Beschäftigte?</td></tr><tr><td>Transformation</td><td>Werden Betriebe beim Umbau zu klimafreundlicher Produktion unterstützt?</td></tr><tr><td>Gute Arbeit</td><td>Bleiben Tarifbindung, Mitbestimmung und sichere Beschäftigung erhalten?</td></tr><tr><td>Unternehmensbindung</td><td>Welche Gegenleistung gibt es für öffentliche Entlastung und Förderung?</td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Besonders der letzte Punkt wird zuwenig gestellt. Staat und Kommunen sollen bessere Bedingungen schaffen. Das ist richtig. Aber Unternehmen, die davon profitieren, sollten ebenfalls Verantwortung übernehmen. Standortpolitik darf kein Automat sein, in den die öffentliche Hand Fördermittel einwirft und aus dem irgendwann vielleicht Arbeitsplätze herausfallen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Fazit</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Die Warnung der Arbeitgeberverbände sollte ernst genommen werden. Eine Industriekrise verschwindet nicht dadurch, dass man sie für interessengeleitet erklärt. Hohe Kosten, schwache Nachfrage, fehlende Netzkapazitäten und unsichere Investitionsbedingungen sind reale Probleme.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber ebenso gilt: Eine Arbeitgebermitteilung ist noch keine vollständige Analyse. Sie zeigt einen Ausschnitt der Wirklichkeit — den Ausschnitt der Unternehmen. Zur ganzen Wirklichkeit gehören auch Beschäftigte, Betriebsräte, Gewerkschaften, kommunale Interessen, ökologische Transformation und die Frage, was Unternehmen selbst zur Zukunft ihrer Standorte beitragen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Ostfriesland lautet die entscheidende Frage deshalb nicht nur, ob Betriebe abwandern. Sie lautet: <strong>Wird künftig noch hier investiert — in Produktion, Menschen, Ausbildung und technische Kompetenz?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn der gefährlichste Strukturwandel kommt nicht immer mit Werkstor-Schließung und Schlagzeile. Oft kommt er leise: als Investition, die anderswo stattfindet.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Industrie unter Druck gerät</title>
		<link>https://stadtwalk.de/wenn-industrie-unter-druck-geraet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 12:46:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein OZ-Beitrag über mögliche Produktionsverlagerungen wirft größere Fragen für Ostfriesland auf. Aufmerksam geworden bin ich durch einen Bericht der Ostfriesen-Zeitung: Jeder vierte Betrieb der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie plane Produktionsverlagerungen ins Ausland, hieß es dort unter Berufung auf eine aktuelle Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord. Das ist eine Zahl, die hängen bleibt. Gerade [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Ein OZ-Beitrag über mögliche Produktionsverlagerungen wirft größere Fragen für Ostfriesland auf.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Aufmerksam geworden bin ich durch einen Bericht der <em>Ostfriesen-Zeitung</em>: Jeder vierte Betrieb der norddeutschen Metall- und Elektroindustrie plane Produktionsverlagerungen ins Ausland, hieß es dort unter Berufung auf eine aktuelle Konjunkturumfrage der Arbeitgeberverbände Nordmetall und AGV Nord.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist eine Zahl, die hängen bleibt. Gerade in Ostfriesland. Denn industrielle Arbeitsplätze sind hier nicht beliebig ersetzbar. Wenn Produktion, Ausbildung, technisches Wissen oder Zulieferstrukturen verschwinden, betrifft das nicht nur einzelne Betriebe, sondern ganze regionale Zusammenhänge.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Blick in das zugrunde liegende Verbandsmaterial wird die Lage differenzierter. Für Nordwest-Niedersachsen zeigen die Daten tatsächlich eine angespannte Situation: schwache Auftragsbestände, niedrige Auslastung, Kostendruck und zurückhaltende Investitionen. Zugleich ist klar: Es handelt sich um eine Arbeitgeberperspektive. Sie ist wichtig, aber sie ist nicht die ganze Geschichte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Deshalb werde ich das Thema in den kommenden Wochen ausführlicher aufgreifen: Was bedeutet industrielle Zukunft für Ostfriesland? Welche Betriebe stehen tatsächlich unter Druck? Geht es um konkrete Abwanderung oder eher um künftige Investitionen, die anderswo stattfinden? Welche Rolle spielen Energiepreise, Bürokratie, Arbeitskosten, Konzernstrategien und politische Rahmenbedingungen?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Um diese Fragen nicht nur aus Sicht der Arbeitgeber zu betrachten, habe ich auch die IG Metall um eine Einschätzung gebeten. Denn zur Industrie gehören nicht nur Standorte und Bilanzen, sondern auch Beschäftigte, Betriebsräte, Ausbildung, Tarifbindung und die Frage, welche Zukunft gute Arbeit in Ostfriesland noch hat.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Serie &#8211; Solidarische Landwirtschaft</title>
		<link>https://stadtwalk.de/solidarische-landwirtschaft-vom-buchfund-nach-wybelsum-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Jun 2026 07:59:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=326</guid>

					<description><![CDATA[Ich hatte ja schon darüber geschrieben, dass ich das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft interessant finde und durch einen Artikel in einem Buch darauf aufmerksam wurde. Umso erfreuter war ich, als ich erfuhr, dass es einen solchen Betrieb auch in Emden gibt. Genauer: in Wybelsum. Das Prinzip ist einfach: Menschen kaufen nicht einzelne Lebensmittel, sondern tragen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich hatte ja schon darüber geschrieben, dass ich das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft interessant finde und durch einen Artikel in einem Buch darauf aufmerksam wurde. Umso erfreuter war ich, als ich erfuhr, dass es einen solchen Betrieb auch in Emden gibt. Genauer: in Wybelsum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Prinzip ist einfach: Menschen kaufen nicht einzelne Lebensmittel, sondern tragen gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb oder eine Gärtnerei. Dafür erhalten sie einen Anteil an der Ernte. Die Lebensmittel sind also nicht nur eine Ware, die anonym über das Kassenband rollt. Stattdessen entsteht eine direkte Beziehung zwischen denen, die Lebensmittel erzeugen, und denen, die sie essen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das hat mich auch deshalb interessiert, weil ich mich gerade mit Trockenheit, Dürre und Wasserfragen in der Region beschäftige. Landwirtschaft hängt am Wetter, am Boden, am Wasser — und damit an Bedingungen, die sich spürbar verändern. Wenn die Ernte gut ist, ist das unkompliziert. Wenn aber Trockenheit, Starkregen oder andere Wetterextreme die Erträge beeinflussen, stellt sich eine sehr praktische Frage: Wer trägt eigentlich das Risiko?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bei der solidarischen Landwirtschaft lautet die Antwort: nicht der Hof allein. Risiko, Kosten und Verantwortung werden geteilt. Die Mitglieder finanzieren den Betrieb mit und erhalten dafür ihren Ernteanteil. So entsteht für die Landwirtinnen und Landwirte mehr Planungssicherheit. Gleichzeitig wird für die Mitglieder sichtbar, was Landwirtschaft bedeutet: nicht nur schöne Möhren im Korb, sondern auch Arbeit, Unsicherheit, Bodenpflege, Wetterabhängigkeit und manchmal eben krumme Gurken. Auch die schmecken bekanntlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der Lektüre habe ich weitergesucht: Gibt es so etwas eigentlich auch hier in Ostfriesland?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann stieß ich ausgerechnet auf einen Hof in Wybelsum — also direkt in Emden: den Solidarischen Hof Wybelsum. Nach eigenen Angaben handelt es sich um einen kleinen Demeter-Betrieb, der seit den 1960er Jahren biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird. Auf rund 18 Hektar Land direkt hinter dem Deich zum Dollart wachsen Feingemüse, Kartoffeln und Getreide; außerdem gehören eine kleine Mutterkuhherde und Legehennen im Mobilstall zum Hof.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die solidarische Hofgemeinschaft wurde 2018 gegründet. Anfangs konnten 30 Ernteanteile vergeben werden, inzwischen sind es nach Angaben des Hofes mehr als 50. Die Mitglieder erhalten saisonales Gemüse aus der Region und holen es wöchentlich auf dem Hof ab. Der Beitrag wird nicht einfach als fester Preis verstanden, sondern über ein Bietverfahren mit Richtwert ermittelt. Wer weniger zahlen kann, bietet weniger; wer mehr tragen kann, ermöglicht anderen das Mitmachen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch das ist ein interessanter Punkt. Solidarische Landwirtschaft ist nicht nur eine andere Art, Gemüse zu beziehen. Sie ist auch ein kleiner Gegenentwurf zur üblichen Logik der Preisgestaltung: hier Produzent, dort Kunde, dazwischen der Preis, gestaltet durch einen anonyme und oft auch intransparente Marktlogik. In Wybelsum wird diese Beziehung anders gedacht — näher, verbindlicher, regionaler.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich kann ein einzelner Hof nicht die gesamte Lebensmittelversorgung einer Stadt sicherstellen. Das wäre auch ein wenig viel verlangt. Aber als Beispiel ist es stark. Es zeigt, dass ein so wesentlicher Bereich wie die Landwirtschaft auch ganz anders funktionieren kann, als wir sie üblicherweise kennen. Und zwar auf mehreren Ebenen: Sozial, nachhaltig und gesund. Und das direkt vor der Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Interviewanfrage an den Hof ist gestellt. Bis dahin stützt sich dieser Beitrag vor allem auf die öffentlich zugänglichen Informationen des Solidarischen Hofes Wybelsum und des Netzwerks Solidarische Landwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Stadtwalk bleibt das Thema jedenfalls auf der Liste. Denn manchmal führt ein kurzer Buchbeitrag nicht in die Ferne, sondern ziemlich direkt vor die eigene Haustür. In diesem Fall: nach Wybelsum.</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<h3 class="wp-block-heading">Links zum Thema</h3>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werkzeugkasten der Zukunft</strong><br>Das Buch aus dem Katapult-Verlag stellt 150 innovative Ideen für eine bessere Welt vor. Der Beitrag über solidarische Landwirtschaft war der Ausgangspunkt für diese Recherche.<br><a href="https://katapult-verlag.de/programm/werkzeugkasten-der-zukunft-150-innovative-ideen-fur-eine-bessere-welt">https://katapult-verlag.de/programm/werkzeugkasten-der-zukunft-150-innovative-ideen-fur-eine-bessere-welt</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Netzwerk Solidarische Landwirtschaft</strong><br>Das Netzwerk erklärt das Grundprinzip der solidarischen Landwirtschaft: Eine Hofgemeinschaft finanziert gemeinsam einen landwirtschaftlichen Betrieb und teilt die Ernte.<br><a href="https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/">https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Was ist solidarische Landwirtschaft?</strong><br>Eine kurze Einführung des Netzwerks in Idee, Finanzierung, Ernteanteile und gemeinschaftliche Verantwortung.<br><a href="https://www.solidarische-landwirtschaft.org/das-konzept/was-ist-solawi/">https://www.solidarische-landwirtschaft.org/das-konzept/was-ist-solawi/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Solidarischer Hof Wybelsum</strong><br>Der lokale Bezug für Emden: saisonales Gemüse, Hofgemeinschaft und solidarische Landwirtschaft direkt in Wybelsum.<br><a href="https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/">https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Informationen zur Hofgemeinschaft</strong><br>Angaben des Hofes zur solidarischen Gemeinschaft, zu Ernteanteilen und zur Entwicklung seit 2018.<br><a href="https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/?page_id=79">https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/?page_id=79</a></p>
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		<title>Queeres Ostfriesland: Sichtbar, vernetzt, politisch</title>
		<link>https://stadtwalk.de/queeres-ostfriesland-sichtbar-vernetzt-politisch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 08:59:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Stadtgeschehen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=308</guid>

					<description><![CDATA[Am Sonnabend, 13. Juni 2026, findet in Emden der vierte Christopher Street Day statt. Die Demonstration startet um 13.30 Uhr am Hauptbahnhof und führt anschließend zum Neuen Markt, wo gegen 15 Uhr die Kundgebung beginnt. Das Motto in diesem Jahr: „Wi sün ümmer dar!“ Das ist ein wichtig zu sagen. Gerade heute ist Sichtbarkeit selbst [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am Sonnabend, 13. Juni 2026, findet in Emden der vierte Christopher Street Day statt. Die Demonstration startet um 13.30 Uhr am Hauptbahnhof und führt anschließend zum Neuen Markt, wo gegen 15 Uhr die Kundgebung beginnt. Das Motto in diesem Jahr: „Wi sün ümmer dar!“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das ist ein wichtig zu sagen. Gerade heute ist Sichtbarkeit selbst schon politisch. Queeres Leben gibt es in Ostfriesland nicht erst, seitdem Regenbogenflaggen gehisst werden. Aber es organisiert sich heute sichtbarer: Mit Treffpunkten, Jugendgruppen, Beratungsangeboten, Bildungsarbeit und CSDs in mehreren ostfriesischen Städten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Queere Netzwerk Ostfriesland bündelt viele dieser Angebote. Dazu gehören offene Treffs, die Jugendgruppe QueerBeet, eine Elterngruppe queerer Kinder und Jugendlicher, SCHLAU Ostfriesland als Bildungsprojekt sowie Gruppen für trans* und nicht-binäre Menschen. Aus einzelnen Schutzräumen wird so langsam eine regionale Struktur. Nicht so glamourös wie in einer Großstadt, eher ostfriesisch-pragmatisch: Räume schaffen, Termine machen, da sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Emder CSD soll in diesem Jahr noch politischer werden. Das ist zeitgemäss: Queere Rechte sind keine hübsche Beilage liberaler Sonntagsreden, sondern es geht um konkrete Fragen von Sicherheit, Anerkennung, Familie, Bildung und Teilhabe. Dass auch das Ostfriesische Landesmuseum im Juni queere Veranstaltungen plant, zeigt zudem: Dieses Thema gehört zur Kulturgeschichte der Region.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Emden ist Hafenstadt. Das Bild vom sicheren Hafen liegt nahe, vielleicht fast zu nahe. Denn: Sie stimmen nur, wenn Menschen sich für Menschen einsetzen. Wer sichtbar lebt, braucht Öffentlichkeit. Wer angegriffen wird, braucht Schutz. Und wer dazugehört, sollte nicht jedes Mal erst erklären müssen, warum.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Am 13. Juni wird Emden also wieder bunt und fröhlich. Und wir alle hoffentlich ein bisschen nachdenklicher.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Weiterführende Links</h2>



<ul class="wp-block-list">
<li><a href="https://queeresnetzwerkostfriesland.de/">Queeres Netzwerk Ostfriesland</a><br>Regionaler Dachverband für queere Angebote, Gruppen und Strukturen in Ostfriesland.</li>



<li><a href="https://queeresnetzwerkostfriesland.de/aktuelles/">CSD Emden 2026</a><br>Aktuelle Informationen zum vierten CSD in Emden am 13. Juni 2026.</li>



<li><a href="https://www.emden.de/rathaus/verwaltung/fb-500-gesundheit-und-soziales/fd-553-gesundheit/life-point">Life-Point Emden</a><br>Queerer Treffpunkt in Emden mit Gruppen, Beratung und offenen Angeboten.</li>



<li><a href="https://ostfriesland.schlau-nds.de/">SCHLAU Ostfriesland</a><br>Bildungs- und Aufklärungsprojekt zu sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität.</li>



<li><a href="https://www.landesmuseum-emden.de/">Ostfriesisches Landesmuseum Emden</a><br>Im Juni mit queeren Veranstaltungen rund um den CSD im Blick behalten.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Passendes Werkzeug vor Ort: SoLaWi in Wybelsum</title>
		<link>https://stadtwalk.de/solidarische-landwirtschaft-vom-buchfund-nach-wybelsum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 09:36:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=271</guid>

					<description><![CDATA[Im Buch Werkzeugkasten der Zukunft stieß ich auf die Idee der solidarischen Landwirtschaft. Eine kurze Recherche später lag das Thema plötzlich nicht mehr irgendwo in der Zukunft, sondern in Wybelsum — also direkt in Emden. Neulich habe ich mir das Buch Werkzeugkasten der Zukunft aus dem Katapult-Verlag gekauft. Darin werden 150 Ideen vorgestellt, die zeigen [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph"><em>Im Buch Werkzeugkasten der Zukunft stieß ich auf die Idee der solidarischen Landwirtschaft. Eine kurze Recherche später lag das Thema plötzlich nicht mehr irgendwo in der Zukunft, sondern in Wybelsum — also direkt in Emden.</em></p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich habe ich mir das Buch <em>Werkzeugkasten der Zukunft</em> aus dem Katapult-Verlag gekauft. Darin werden 150 Ideen vorgestellt, die zeigen sollen, wie eine bessere Welt praktisch aussehen könnte. Nicht als fertiger Masterplan, eher als Sammlung von Ansätzen, die irgendwo schon ausprobiert werden. Einer dieser kleinen Beiträge hat mich besonders angesprochen: solidarische Landwirtschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Prinzip ist schlicht: Menschen kaufen nicht einfach einzelne Lebensmittel, sondern erwerben Anteile an einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einer Gärtnerei. Dafür erhalten sie einen Anteil an der Ernte. Kosten, Verantwortung und Risiken werden geteilt. Wenn viel wächst, ist das schön. Wenn Trockenheit, Starkregen oder andere Wetterextreme die Ernte beeinträchtigen, betrifft das nicht nur den Hof allein, sondern die ganze Gemeinschaft.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fand diese Idee sofort interessant, gerade auch mit Blick auf das Thema Dürre, das mich derzeit beschäftigt. Denn hier wird sehr konkret, was sonst oft abstrakt bleibt: Landwirtschaft hängt am Wetter, am Wasser, am Boden — und an der Frage, wer eigentlich das Risiko trägt, wenn sich Bedingungen verändern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Also habe ich weitergesucht: Gibt es so etwas eigentlich auch hier in Ostfriesland?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann stieß ich ausgerechnet auf einen Hof in Wybelsum, also direkt in Emden: den Solidarischen Hof Wybelsum. Dort wird solidarische Landwirtschaft bereits praktiziert. Die Hofgemeinschaft teilt nach eigener Darstellung Ernte, Finanzierung und auch die Folgen klimatischer Veränderungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für heute ist das erst einmal nur ein kleiner Hinweis. Aber einer, den ich weiterverfolgen möchte. Denn in dieser Idee steckt mehr als eine alternative Form, an Gemüse zu kommen. Es geht um regionale Versorgung, um Landwirtschaft unter veränderten Klimabedingungen, um faire Beiträge und um die Frage, ob Ernährung wieder stärker als gemeinsame Angelegenheit verstanden werden kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Manchmal führt ein Buchbeitrag eben nicht in die Ferne, sondern ziemlich direkt vor die eigene Haustür. In diesem Fall: nach Wybelsum.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Links zum Thema</h2>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Werkzeugkasten der Zukunft</strong><br>Das Buch aus dem Katapult-Verlag stellt 150 innovative Ideen für eine bessere Welt vor — darunter auch solidarische Landwirtschaft.<br><a href="https://katapult-verlag.de/programm/werkzeugkasten-der-zukunft-150-innovative-ideen-fur-eine-bessere-welt">https://katapult-verlag.de/programm/werkzeugkasten-der-zukunft-150-innovative-ideen-fur-eine-bessere-welt</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Netzwerk Solidarische Landwirtschaft</strong><br>Grundlagen, Beispiele und Hintergründe zum Konzept der solidarischen Landwirtschaft in Deutschland.<br><a href="https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/">https://www.solidarische-landwirtschaft.org/startseite/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Solidarischer Hof Wybelsum</strong><br>Der lokale Bezug: solidarische Landwirtschaft direkt in Emden-Wybelsum.<br><a href="https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/">https://www.solidarischer-hof-wybelsum.de/</a></p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Im Kräftefeld der Gruppe – Kurt Lewin und die Praxis der Demokratie</title>
		<link>https://stadtwalk.de/im-kraeftefeld-der-gruppe-kurt-lewin-und-die-praxis-der-demokratie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 22:29:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=134</guid>

					<description><![CDATA[Prof. Dr. Annika Wolf über Feldtheorie, Gruppendynamik und demokratische Praxis Wenn Prof. Dr. Annika Wolf von „Gruppen als Lernorte gelebter Demokratie“ spricht, knüpft sie an einen Klassiker der Sozialwissenschaften an: Kurt Lewin, den Pionier der modernen Sozialpsychologie und Begründer der Feldtheorie. Lewin hat gezeigt, dass Gruppen keine bloßen Aggregationen von Individuen sind, sondern dynamische Kräftefelder, [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h4 class="wp-block-heading">Prof. Dr. Annika Wolf über Feldtheorie, Gruppendynamik und demokratische Praxis</h4>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn Prof. Dr. <strong>Annika Wolf</strong> von „Gruppen als Lernorte gelebter Demokratie“ spricht, knüpft sie an einen Klassiker der Sozialwissenschaften an: <strong>Kurt Lewin</strong>, den Pionier der modernen Sozialpsychologie und Begründer der Feldtheorie. Lewin hat gezeigt, dass Gruppen keine bloßen Aggregationen von Individuen sind, sondern dynamische Kräftefelder, in denen Verhalten entsteht. Seine zentrale Einsicht lautet: Verhalten ist keine Eigenschaft isolierter Personen, sondern ein Produkt der wechselseitigen Beziehung zwischen Individuum und Umfeld – oft formuliert in der Gleichung <em>B = f(P, E)</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Lewin begann seine akademische Laufbahn in Berlin und entwickelte später in den USA Konzepte wie Gruppendynamik, Aktionsforschung und Feldtheorie weiter. Er war davon überzeugt, dass soziale Prozesse nicht nur beschrieben, sondern praktisch gestaltet werden müssen. Seine Forschung in kleinen Gruppen führte unter anderem zu Studien über Führungsstile und demokratische Entscheidungsprozesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Perspektive ist auch für Wolfs Ansatz zentral: Entscheidend ist nicht allein, was Individuen denken, sondern wie sie sich in ihren sozialen Feldern bewegen und wie diese Felder gestaltet werden können – seien es Arbeitsgruppen, Teams oder ganze Organisationen. Wolf bringt in diese Diskussion ihre eigene interdisziplinäre Erfahrung ein: als Wirtschaftswissenschaftlerin mit rechtswissenschaftlicher Promotion, systemischer Coach und Mediatorin. Sie beschäftigt sich mit nachhaltiger Transformation und resilienter Organisationsentwicklung – also mit der Frage, wie soziale Felder so eingerichtet werden können, dass Partizipation, klare Kommunikation und Lernprozesse möglich werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In ihrer Lehre und Praxis setzt Wolf auf dynamische, interaktive Formate, die Gruppendynamik nicht als Störfaktor, sondern als Ressource begreifen. Diese Haltung ist kein simpler Optimismus, sondern eine praktische Konsequenz aus Lewins Feldtheorie: Wenn Verhalten im Feld entsteht, lässt sich das Feld gestalten – und damit die Bedingungen, unter denen demokratische Praxis möglich wird.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Termin:</strong> Donnerstag, 26. Februar 2026, 18:00–20:15 Uhr<br><strong>Eintritt:</strong> kostenfrei</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Veranstaltung ist Teil der Emder Partnerschaft für Demokratie.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Serie: Grüner Wasserstoff – Zukunft an der Küste?</title>
		<link>https://stadtwalk.de/serie-gruener-wasserstoff-zukunft-an-der-kueste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rudi Steiner]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 22 Feb 2026 21:55:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Hintergrund & Recherche]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://stadtwalk.de/?p=122</guid>

					<description><![CDATA[Wasserstoff wird fast reflexhaft mit der Energiewende verknüpft. Das ist allerdings erklärungsbedürftig. 1. Warum taucht der Begriff Wasserstoff in der Energiewende ständig auf? Wind- und Solarstrom schwanken. Es gibt Tage mit Überschuss und Tage mit Flaute. Strom lässt sich nur begrenzt direkt speichern. Wasserstoff ist hier ein möglicher Puffer: Überschüssiger Strom wird genutzt, um Wasser [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Wasserstoff wird fast reflexhaft mit der Energiewende verknüpft. Das ist allerdings erklärungsbedürftig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">1. Warum taucht der Begriff Wasserstoff in der Energiewende ständig auf?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wind- und Solarstrom schwanken. Es gibt Tage mit Überschuss und Tage mit Flaute. Strom lässt sich nur begrenzt direkt speichern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wasserstoff ist hier ein möglicher <strong>Puffer</strong>: Überschüssiger Strom wird genutzt, um Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff zu spalten. Der Wasserstoff kann gespeichert, transportiert und später genutzt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Er ist damit kein Ersatz für Strom, sondern eine Art Langzeitspeicher und Industriebaustein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">2. Wofür braucht man ihn konkret?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Heute vor allem:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Chemieindustrie (z. B. Düngemittel)</li>



<li>Raffinerien</li>



<li>Teilweise Metallverarbeitung</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">In der Energiewende zusätzlich:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Stahlproduktion ohne Kohle</li>



<li>Schwerlastverkehr, Schifffahrt</li>



<li>Energiespeicherung für längere Zeiträume</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Weniger sinnvoll ist er dort, wo man direkt Strom nutzen kann (z. B. Haushaltsheizungen oder Pkw).</p>



<h3 class="wp-block-heading">3. Wie bekommt man ihn?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Grundwege:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li><strong>Aus Erdgas</strong> (heute Standard, aber mit CO₂-Emissionen)</li>



<li><strong>Aus Kohle</strong> (klimapolitisch problematisch)</li>



<li><strong>Aus Wasser durch Elektrolyse</strong></li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Nur letzteres ist wirklich nachhaltig, also „grün“ – vorausgesetzt, der Strom stammt aus erneuerbaren Quellen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Technik ist nicht neu. Elektrolyse gibt es seit dem 19. Jahrhundert. Neu ist der Versuch, sie industriell im großen Maßstab mit Wind- und Solarstrom zu koppeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">4. Warum gilt die Küste als prädestiniert?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Norddeutschland – auch Ostfriesland – hat viel <strong>Windenergie</strong>, insbesondere Offshore.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier entstehen regelmäßig Stromüberschüsse, weil:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>viel Windstrom produziert wird,</li>



<li>aber Industriezentren oft weiter südlich liegen,</li>



<li>und Netze begrenzt sind.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die Idee: Statt Strom teuer zu transportieren oder abzuregeln ( und den Strom somit zu verschenken), produziert man vor Ort Wasserstoff.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hafenstandorte sind zusätzlich interessant, weil:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Import und Export möglich sind,</li>



<li>bestehende Energieinfrastruktur vorhanden ist,</li>



<li>Industrieflächen verfügbar sind.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Projekte wie der <strong>H2Coastlink</strong> ( eine Gasleitung für Wasserstoff von Emden nach Leer) sollen solche Küstenregionen mit Industriezentren verbinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">5. Wie aufwendig ist das?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Erheblich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Man braucht:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Große Elektrolyseure</li>



<li>Sehr viel erneuerbaren Strom</li>



<li>Wasseraufbereitung</li>



<li>Speicheranlagen</li>



<li>Pipelines oder Verladeinfrastruktur</li>



<li>Abnehmer mit kontinuierlichem Bedarf</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Zudem gehen entlang der Kette Energieanteile verloren. Die Effizienz ist deutlich geringer als bei direkter Stromnutzung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">6. Ist das Verfahren ausgereift?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Technisch: ja.<br>Systemisch: noch im Aufbau.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Elektrolyseure funktionieren zuverlässig. Was noch nicht flächendeckend existiert, ist:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>eine durchgängige Infrastruktur,</li>



<li>ein stabiler Markt mit kalkulierbaren Preisen,</li>



<li>ausreichend günstiger grüner Strom.</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Das Risiko liegt weniger in der Technologie als in der ökonomischen Skalierung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">7. Welche Unternehmen können das?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">International und national sind u. a. aktiv ( nicht vollständig):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Siemens Energy (Elektrolysetechnik)</li>



<li>Thyssenkrupp Nucera (Großelektrolyseure)</li>



<li>ITM Power</li>



<li>Nel ASA</li>



<li>Linde plc</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Hinzu kommen Energieversorger und Netzbetreiber, die Infrastrukturprojekte entwickeln.</p>



<hr class="wp-block-separator has-alpha-channel-opacity"/>



<h3 class="wp-block-heading">Vorläufiges Zwischenfazit für die Region</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Küste ist technisch sinnvoll: viel Wind, Hafen, Fläche.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ob daraus eine wirtschaftliche Zukunft wird, hängt weniger an der Physik als an:</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Strompreisen</li>



<li>Förderpolitik</li>



<li>Industrieansiedlung</li>



<li>globaler Nachfrage</li>
</ul>



<p class="wp-block-paragraph">Die entscheidende Frage für Ostfriesland lautet daher nicht:<br>„Ist Wasserstoff möglich?“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sondern:<br><strong>Entsteht hier eigenständige Wertschöpfung – oder nur Durchleitung?</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im nächsten Schritt werden wir konkret auf Emden schauen: Welche Projekte sind real geplant, welche Firmen sind beteiligt – und wo liegen die Risiken?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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	</channel>
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