Wasserwege und Backsteinkunst: Kesselschleuse und Herrentorschule

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Wasserwege und Backsteinkunst: Kesselschleuse und Herrentorschule

Eine ungewöhnliche Wasserkreuzung und ein Schulbau voller gestalterischer Ideen: Rund um das Herrentor lässt sich entdecken, wie Emden seine Wasserwege ordnete und seiner wachsenden Bevölkerung Raum gab.

An der Kesselschleuse lohnt es sich, stehen zu bleiben. Hier treffen Ems-Jade-Kanal, Stadtgraben, Fehntjer Tief und Rotes Siel aufeinander – Wasserwege mit unterschiedlichen Wasserständen. Damit Boote zwischen ihnen wechseln können, besitzt die Anlage eine kreisrunde Mittelkammer: den namensgebenden „Kessel“, 33 Meter im Durchmesser. Vier Schleusenkammern vermitteln zwischen diesem Becken und den angeschlossenen Gewässern.

1887 ging die Schleuse in Betrieb; ihre heutige Grundform erhielt sie beim Ausbau von 1911 bis 1913. Wer einen Schleusenvorgang beobachtet, sieht ein einfaches physikalisches Prinzip bei der Arbeit: Wasser fließt zu oder ab, bis die nötige Höhe erreicht ist. Pumpen braucht es dafür nicht. So wird aus einer technischen Anlage ein anschauliches Stück Stadtgeschichte. Mehr zur Kesselschleuse

In der Nachbarschaft setzt die Herrentorschule einen ganz anderen Akzent. Der 1930 eingeweihte Bau entstand nach Entwürfen von Stadtbaurat Reinhold Haasis und seinem Mitarbeiter Walter Luckau. Geplant war er für zwei Volksschulen mit zusammen 1.100 Kindern. Für das wachsende Viertel Herrentor entstand damit ein Schulgebäude von beachtlicher Größe.

Beim Betrachten lohnt der Blick nach oben: zum übereckgestellten Uhrturm, zu den spitzen Dreiecksgiebeln über den Eingängen und zu den geometrischen Mustern unterhalb der Dachkante. Die Schule gehört zum Backsteinexpressionismus, einer Architekturströmung der 1920er Jahre. Ihre Fassaden leben von kantigen Formen, Vorsprüngen und kunstvoll gesetzten Steinen. Der vertraute Backstein bekommt dabei einen ausgesprochen eigenwilligen Ausdruck. Zum Baustil

Modern war auch der Anspruch an das Lernen. Reformpädagogische Vorstellungen sowie Fragen der Gesundheit und Hygiene prägten die Planung. Wie Architektur und Schulalltag zusammenhingen, untersuchten Schülerinnen und Schüler im Schuljahr 2024/25 selbst: anhand alter Baupläne, Klassenbücher, Fotografien und der Details ihres Schulhauses. Das Denkmal wurde zum Gegenstand des eigenen Unterrichts. Zum Schulprojekt „denkmal aktiv“

Für einen kleinen Stadtspaziergang ergänzen sich beide Orte wunderbar: erst den Wegen des Wassers folgen, dann den Formen im Backstein. Vieles erschließt sich schon beim aufmerksamen Blick von außen.