Stadt Emden ohne klares Lagebild zu Integrationskursen

Wie geht es weiter?

Die Stadt Emden hält Auswirkungen der ausgesetzten freiwilligen Zulassungen zu Integrationskursen für möglich, kann Betroffene und Folgen derzeit aber nicht belastbar beziffern. Das zeigt eine schriftliche Antwort der Stadt auf eine Anfrage von Stadtwalk.

In Emden gibt es derzeit kein belastbares Lagebild zu den möglichen Folgen der ausgesetzten freiwilligen Zulassungen zu Integrationskursen. Die Stadtverwaltung sieht zwar Risiken für Träger, Wartezeiten und Integrationsverläufe, verweist in ihrer Antwort auf eine Anfrage von Stadtwalk aber mehrfach auf fehlende Zahlen und ausstehende gesicherte Rückmeldungen.

Besonders auffällig: Wie viele Menschen in Emden aktuell betroffen sind oder betroffen sein könnten, kann die Stadt nach eigener Auskunft derzeit nicht sagen. Es lägen keine „belastbaren Zahlen“ vor.

Stadt benennt Risiken – Datenbasis bleibt dünn

Auch bei der Einschätzung der örtlichen Trägerlandschaft bleibt die Stadt vorsichtig. Gesicherte Stellungnahmen von Kursträgern lägen bislang nicht vor. Gleichzeitig hält die Verwaltung es für möglich, dass insbesondere kleinere Träger stärker betroffen sein könnten. Längere Wartezeiten auf Integrationskurse seien ebenfalls nicht auszuschließen, wenn sich Teilnehmerzahlen und Kursplanungen verändern.

Die Stadt benennt damit mögliche Folgen, ohne sie bereits mit lokalen Daten unterlegen zu können.

Sprachcafés und Begegnungstreffs – aber kein Ersatz für Integrationskurse

Die Verwaltung verweist auf ergänzende niedrigschwellige Angebote in Emden, etwa Sprachcafés oder Begegnungstreffs. Zugleich stellt sie klar, dass diese einen Integrationskurs mit systematischem Spracherwerb nicht ersetzen können.

Auch zu mittelbaren Auswirkungen auf Integration, Soziales und Arbeitsmarktprozesse in Emden bleibt die Stadt zurückhaltend. Konkrete Auswirkungen ließen sich derzeit noch nicht verlässlich abschätzen.

Emden war nach eigener Auskunft nicht eingebunden

Nach Angaben der Stadt war Emden in den zugrunde liegenden Entscheidungsprozess nicht eingebunden.

Als Reaktion kündigt die Verwaltung an, die Thematik in regelmäßigen Kontakten mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) anzusprechen und sie über Interessenverbände bei Bund und Land zu platzieren. In welchem konkreten Rahmen das erfolgen soll, bleibt bislang offen.

Hintergrund: Anfrage zu BAMF-Schreiben vom 09.02.2026

Auslöser der Anfrage war ein Schreiben des BAMF vom 09.02.2026, auf das sich Stadtwalk in der Recherche zu den lokalen Auswirkungen bezogen hat. Darin wurde angekündigt, dass im laufenden Haushaltsjahr bis auf Weiteres keine Zulassungen zu Integrationskursen nach § 44 Abs. 4 AufenthG mehr erteilt werden.

Die Stadt Emden teilt dazu mit, das konkret genannte Schreiben liege ihr „nicht vor“. Von der Veränderung habe man über ein kurzes Statement des Deutschen Städtetages, eine Pressepublikation sowie über betroffene Kursträger erfahren.

Vorläufiger Stand

Die Antwort der Stadt zeigt: Problembewusstsein ist vorhanden, ein belastbares kommunales Lagebild aber noch nicht. Für Betroffene und Träger bedeutet das vorerst vor allem Unsicherheit.

Stadtwalk hat zu mehreren Punkten präzisierende Nachfragen an die Stadt Emden gestellt, darunter zum Zeitpunkt der Kenntnisnahme, zu Kontakten mit örtlichen Kursträgern und zum angekündigten weiteren Vorgehen. Der Beitrag wird nach Eingang weiterer Antworten aktualisiert.