Die Gedenkbake am Außenhafen

KI-Illustration

Ein Ort für Menschen, die auf See Abschied genommen haben

Am Emder Außenhafen steht auf dem Middelmantje eine Bake, die keinem Schiff den Weg weist. An ihr erinnern kleine Namensschilder an Menschen, die im Dollart zur See bestattet wurden. Die Gedenkbake gibt ihrer Trauer einen festen Ort an Land.

Wer zum Außenhafen hinausfährt, kommt in eine andere Emder Welt. Hafenanlagen, Schiffe, Wind und viel Himmel bestimmen das Bild. Auf dem Middelmantje steht dort eine Konstruktion aus Metall, die man leicht für ein nautisches Zeichen halten könnte.

Doch diese Bake dient nicht der Navigation.

Sie ist eine Gedenkstätte.

An ihr werden Namen von Menschen festgehalten, die nach ihrem Tod im Dollart beigesetzt wurden. Angehörige können hierherkommen, ohne ein Schiff nehmen und den eigentlichen Beisetzungsort auf dem Wasser erreichen zu müssen.

Ein Name an Land

Ems-Dollart-Seebestattungen führt nach eigenen Angaben seit 2006 Seebestattungen im Dollart durch. Dabei entstand bei Angehörigen immer wieder der Wunsch nach einem festen Zeichen an Land. Gemeinsam mit Niedersachsen Ports wurde daraufhin die Gedenkbake im Außenhafen geschaffen. Nach Angaben der Kreiszeitung wurde sie 2009 errichtet und später erweitert.

Das Prinzip ist schlicht: An der Bake können Tafeln mit Namen sowie Geburts- und Sterbedatum der Verstorbenen angebracht werden. Die Anlage gehört der Germania Schifffahrtsgesellschaft und steht auf Hafengelände von Niedersachsen Ports.

Damit entsteht etwas, das eine Seebestattung naturgemäß nicht bietet: ein konkreter Punkt, zu dem man zurückkehren kann.

Zwischen Hafen und Dollart

Gerade der Standort macht einen Teil der Wirkung aus. Die Gedenkbake steht nicht abgeschirmt auf einem Friedhof. Sie gehört zum Außenhafen: Schiffe kommen und gehen, Wasserstände wechseln, der Wind verändert den Ort innerhalb weniger Minuten.

Und dahinter liegt der Dollart.

Für Angehörige hat diese Nähe eine besondere Bedeutung. Das Gebiet der Seebestattungen bleibt von Land aus zumindest räumlich vorstellbar; die Betreiber nennen neben Gedenkfahrten ausdrücklich die Bake und Spaziergänge am Deich als Möglichkeiten, dem Beisetzungsgebiet nahe zu sein.

Vielleicht erklärt das auch, weshalb aus einem zunächst unscheinbaren Metallbau ein emotional wichtiger Ort werden kann.

Kein klassisches Ausflugsziel

Die Gedenkbake wird inzwischen auch von Wandernden und Radfahrenden als Ziel beziehungsweise Zwischenstopp wahrgenommen. Auf Komoot ist sie als Denkmal und „Highlight“ verzeichnet.

Trotzdem sollte man den Charakter des Ortes nicht vergessen.

Das hier ist keine maritime Dekoration und kein hübsches Fotomotiv, das zufällig am Hafen steht. Menschen kommen hierher, weil ein Name auf einer der Tafeln für sie mit einem Verlust verbunden ist.

Die Nutzungsordnung bezeichnet die Bake ausdrücklich als Ort der Ruhe, Trauer und Erinnerung und bittet um entsprechende Rücksichtnahme. Die Anlage ist grundsätzlich ganzjährig zugänglich, kann aber etwa wegen Arbeiten oder Witterung zeitweise gesperrt werden.

Wenn du dort bist

Die Gedenkbake lässt sich gut mit einem Weg durch den Außenhafen verbinden. Nicht weit entfernt liegen weitere Orte, die später Teil unseres Stadtwalk-Angebots werden können: das Lotsenhaus, Hafenanlagen und Aussichtspunkte auf den Schiffsverkehr.

Man muss dort nicht lange bleiben.

Aber es lohnt sich, genauer hinzusehen: auf die vielen Namen, auf das Wasser dahinter und auf einen Ort, an dem die sonst abstrakte Vorstellung einer Seebestattung plötzlich sehr konkret wird.