Frauentag in Emden: Viele Angebote – wenig Politik!

Rund um den 8. März organisiert die Stadt Emden wieder eine Reihe von Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag. Auf der Webseite der Gleichstellungsbeauftragten findet sich ein buntes Programm aus Workshops, Vorträgen und Gesprächsrunden. Ziel ist es, auf Themen rund um Geschlechtergerechtigkeit aufmerksam zu machen und Räume für Austausch zu schaffen.

Viele der Angebote richten sich stark auf persönliche Erfahrungen und den Alltag: Es geht um Gesundheit, Selbstfürsorge, Ernährung im Einklang mit dem Zyklus, Yoga oder Strategien, um in schwierigen Situationen ruhig und argumentativ zu bleiben. Auch Kurse zur Selbstverteidigung oder Gesprächsformate über Lebensphasen wie die Wechseljahre gehören dazu.

Solche Angebote greifen reale Bedürfnisse auf. Themen wie körperliche Gesundheit, Stress oder persönliche Sicherheit werden gesellschaftlich oft unterschätzt. Insofern ist es nachvollziehbar, dass sie in einem Veranstaltungsprogramm rund um den Frauentag auftauchen.

Gleichzeitig fällt auf, dass der politische Kern des Internationalen Frauentags nur an wenigen Stellen deutlich hervortritt. Historisch ist der 8. März ein Kampftag für Rechte, Gleichstellung und gesellschaftliche Veränderungen – entstanden aus Arbeiterinnenbewegungen, aus Kämpfen um Wahlrecht, faire Bezahlung und Schutz vor Gewalt.

Im Emder Programm findet sich dieses konflikthafte Moment nur vereinzelt. Eine Ausnahme bilden etwa Vorträge aus der Wissenschaft, zum Beispiel Veranstaltungen mit der Hochschule Emden/Leer, die sich mit Geschlechtergerechtigkeit, gesellschaftlichen Debatten und aktuellen Anfeindungen gegen Gleichstellungspolitik beschäftigen. Hier wird stärker analysiert und diskutiert, wie sich gesellschaftliche Verhältnisse verändern – und wo sie sich verhärten.

Gerade in Zeiten, in denen Gleichstellungspolitik zunehmend politisiert und teilweise offen angegriffen wird, könnte ein Frauentagsprogramm noch stärker als Ort für öffentliche Diskussionen dienen: über Arbeit und Einkommen, über politische Repräsentation, über Gewalt gegen Frauen oder über antifeministische Bewegungen.

Das Emder Programm zeigt damit zwei Seiten zugleich: einerseits viele niedrigschwellige Angebote, die persönliche Erfahrungen ernst nehmen, andererseits vergleichsweise wenig Raum für grundsätzliche politische Debatten.

Vielleicht eine Frage für die kommenden Jahre: Wie lässt sich der Frauentag so gestalten, dass er sich gleichzeitig im Alltag verorten lässt – als auch die größeren gesellschaftlichen Konflikte sichtbar macht, die schließlich diesen Tag erst ins Leben gerufen haben ?

Die Veranstaltungen auf Emden.de