Im Amtsblatt der Stadt Emden wurde Anfang 2026 ein Planfeststellungsverfahren für eine neue Wasserstoffleitung öffentlich bekannt gemacht. Konkret geht es um die geplante Leitung H2Coastlink 1, die zwischen Emden und Leer verlaufen soll.
Mit dieser Bekanntmachung beginnt ein formales Genehmigungsverfahren mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Beteiligung der Öffentlichkeit. Was dort zunächst wie ein technischer Verwaltungsvorgang erscheint, ist inhaltlich ein Baustein der Energiewende – und für Emden von strategischer Bedeutung.
Was konkret geplant ist
Zwischen Emden und Leer soll eine neue Pipeline entstehen, die grünen Wasserstoff transportiert.
- Die Leitung ist rund 24 Kilometer lang.
- Sie führt von Emden (unter anderem aus dem Bereich Borssum/Widdelswehr) bis nach Leer-Nüttermoor.
- Der Wasserstoff wird durch eine große unterirdische Röhre transportiert, etwa so breit wie ein Kanaldeckel.
- Er fließt unter sehr hohem Druck, damit größere Mengen effizient bewegt werden können.
- Die Inbetriebnahme ist nach derzeitigem Stand für 2027 vorgesehen.
Wer hinter dem Projekt steht
Träger und Betreiber sind mehrere Akteure aus der nordwestdeutschen Energieinfrastruktur:
- EWE Netz
→ Planung, Bau und Betrieb der Leitung - EWE Hydrogen
→ Entwicklung von Wasserstoffprojekten - EWE Gasspeicher
→ Einbindung von Speicherstandorten - Gastransport Nord
→ Anbindung an das überregionale Wasserstoffnetz
Genehmigt und begleitet wird das Verfahren unter anderem durch das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG).
Finanziell wird das Projekt im Rahmen des europäischen IPCEI-Wasserstoffprogramms von EU, Bund und Land Niedersachsen unterstützt.
Woher der Wasserstoff kommen soll
Der Wasserstoff soll in Emden selbst hergestellt werden. Geplant ist dort eine große Elektrolyseanlage, die mit Strom Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufspaltet.
Der dafür benötigte Strom soll vor allem aus Windenergie stammen – insbesondere dann, wenn an der Küste mehr Strom erzeugt wird, als gerade verbraucht werden kann. Überschüssiger Strom wird so nicht abgeregelt, sondern in Wasserstoff umgewandelt.
Warum Emden dabei wichtig ist
Emden liegt an einem Knotenpunkt:
- Nähe zu Offshore-Windenergie
- Hafen- und Industrieflächen
- geplante Wasserstoffspeicher im Umland
- Anschluss an nationale und europäische Leitungsnetze
Die Stadt wird damit zu einer Drehscheibe: Wasserstoff kann hier erzeugt, gespeichert, genutzt oder weitertransportiert werden – in andere Regionen Deutschlands und perspektivisch auch ins europäische Netz.
Wofür der Wasserstoff gedacht ist – und wofür nicht
Grüner Wasserstoff ist kein Alltagsenergieträger. Er soll nicht Wohnungen heizen oder Haushalte mit Strom versorgen.
Er ist vorgesehen für Bereiche, in denen es kaum Alternativen gibt:
- energieintensive Industrie (Chemie, Stahl, Glas)
- Raffinerien und Grundstoffproduktion
- Teile des Schwerlast-, Schiffs- und langfristig auch des Flugverkehrs
Dort kann er fossile Energieträger ersetzen und den CO₂-Ausstoß deutlich senken.
Einordnung
Mit H2Coastlink 1 wird Emden Teil des entstehenden deutschen Wasserstoff-Kernnetzes. Parallel entsteht auf europäischer Ebene ein grenzüberschreitendes Netz, das mehrere Länder miteinander verbindet.
Für Emden bedeutet das:
Die Stadt wird nicht automatisch klimaneutral. Aber sie wird infrastrukturell relevant – als Ort, an dem sich Energiepolitik, Industrieinteressen und regionale Entwicklung konkret überschneiden.
Welche wirtschaftlichen Effekte langfristig vor Ort bleiben, wie sich Landschaft und Infrastruktur verändern und wie tragfähig das Wasserstoffmodell insgesamt ist, bleibt offen. Klar ist jedoch: Die Pipeline ist kein fernes Zukunftsbild, sondern ein konkretes Vorhaben, das jetzt durch die Verwaltungsverfahren läuft.
