Queeres Ostfriesland: Sichtbar, vernetzt, politisch

Am Sonnabend, 13. Juni 2026, findet in Emden der vierte Christopher Street Day statt. Die Demonstration startet um 13.30 Uhr am Hauptbahnhof und führt anschließend zum Neuen Markt, wo gegen 15 Uhr die Kundgebung beginnt. Das Motto in diesem Jahr: „Wi sün ümmer dar!“

Das ist ein wichtiger Satz. Gerade in einer Region, in der vieles gern als privat, unauffällig oder „nicht so laut“ behandelt wird, ist Sichtbarkeit selbst schon politisch. Queeres Leben gibt es in Ostfriesland nicht erst, seitdem Regenbogenflaggen gehisst werden. Aber es organisiert sich heute sichtbarer: Mit Treffpunkten, Jugendgruppen, Beratungsangeboten, Bildungsarbeit und CSDs in mehreren ostfriesischen Städten.

Das Queere Netzwerk Ostfriesland bündelt viele dieser Angebote. Dazu gehören offene Treffs, die Jugendgruppe QueerBeet, eine Elterngruppe queerer Kinder und Jugendlicher, SCHLAU Ostfriesland als Bildungsprojekt sowie Gruppen für trans* und nicht-binäre Menschen. Aus einzelnen Schutzräumen wird so langsam eine regionale Struktur. Nicht glamourös im Großstadtstil, eher ostfriesisch-pragmatisch: Räume schaffen, Termine machen, da sein.

Der Emder CSD soll in diesem Jahr noch politischer werden. Das ist zeitgemäss: Queere Rechte sind keine hübsche Beilage liberaler Sonntagsreden, sondern es geht um konkrete Fragen von Sicherheit, Anerkennung, Familie, Bildung und Teilhabe. Dass auch das Ostfriesische Landesmuseum im Juni queere Veranstaltungen plant, zeigt zudem: Dieses Thema gehört nicht nur auf die Straße, sondern auch in die Kulturgeschichte der Region.

Emden ist Hafenstadt. Das Bild vom sicheren Hafen liegt nahe, vielleicht fast zu nahe. Denn: Sie stimmen nur, wenn Menschen sich für Menschen einsetzen. Wer sichtbar lebt, braucht Öffentlichkeit. Wer angegriffen wird, braucht Schutz. Und wer dazugehört, sollte nicht jedes Mal erst erklären müssen, warum.

Am 13. Juni wird Emden also wieder bunt und fröhlich. Und wir alle ein bisschen nachdenklicher.

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