Ein bisschen Filmfest

Trad – Coming of Age – Traditional

Am Donnerstag, 04.06.26, 21.10 im Festspielhaus

Der erste Film war gleich ein schöner Festivalmoment, auch wenn der Abend zunächst etwas holperte. Voller Saal im Festspielhaus am Wall, eine kurze Einführung, Vorstellung des Regisseurs – und dann: technische Probleme. Mal war der Ton zu laut, dann verschwanden die Untertitel, nach etwa zehn Minuten hing der Film ganz. Die Moderatorin erklärte ein Problem mit der Filmdatei, der Regisseur fragte ins Publikum, ob man neu starten dürfe. Man durfte. Das Publikum blieb freundlich. Emden kann Geduld.

Dann begann Trad noch einmal. Und diesmal zog der Film sofort hinein: Füße, die rhythmisch über den Boden schlagen, irische Klänge, Übungsräume, Gesichter, Landschaften. Viel Wind, viel Weite, viel Musik. Nicht einfach Postkarte, sondern etwas, das sofort eine besondere Stimmung erzeugt.

Die äußere Klammer des Films ist das Fleadh, jenes große Festival der traditionellen irischen Musik. Am Anfang sehen wir das Training: Kinder und Jugendliche üben, darunter auch Shóna und ihr Bruder Mickey, angeleitet von ihrer Mutter. Schon hier ist klar: Tradition spielt in diesem Film ein große Rolle. Sie sitzt in den Füßen, in den Händen, in der Haltung, und auch ziemlich streng im Nacken.

Im Zentrum steht Shóna, eine Teenagerin aus Donegal, die ein außergewöhnliches Talent für traditionelle irische Musik hat und genau damit hadert. Sie spielt die Fiddle sehr virtuos. Aber: zu Hause wird es ihr zu eng. Ihre Mutter ist will sie so sehr kontrollieren, dass bei Shóna fast nur noch Widerstand übrig bleibt. Also geht sie fort, mit ihrem kleinen Bruder Mickey und einer bunten Gruppe reisender Musikerinnen und Musiker.

Aus dem Film wird dadurch eine Coming-of-Age-Geschichte und ein kleiner Roadmovie. Shóna probiert sich aus, eckt an, wächst musikalisch, wird gesehen – und merkt zugleich, dass Freiheit auch in der vermeintlich freien Gruppe nicht einfach zu haben ist. Besonders mit Ray, mit dem sie musikalisch und intellektuell gut harmoniert, wird es kompliziert. Er wünscht sich auch körperliche Nähe, die sie nicht will. Und als klar wird, dass dieser Roadtrip für ihn eher ein Zwischenraum vor dem College ist, trifft das Shóna hart. Für sie geht es um mehr: um Musik, um Können, um Weiterentwicklung und nicht nur einen Sommerausflug.

Am Ende kehrt der Film dorthin zurück, wo er begonnen hat: zum Fleadh. Nur ist Shóna nicht mehr dieselbe. Im Pub bekommt sie eine Geige, Ray taucht auf, die Musik setzt ein, es wird getanzt. Das ist kein revolutionäres Ende, kein großer Neuanfang, aber trotzdem sehr schön. Trad erzählt einen unterhaltsamen Roadmovie mit toller Musik in wunderschöner Landschaft und sehr starken Schauspieler:innen.

Besonders Megan Nic Fhionnghaile und Dallán Woods sind sehr starke Hauptfiguren, die sehr authentisch spielen. Vermutlich auch deshalb, weil sie wirklich zwischen der Leidenschaft für Musik und Schauspiel hin und her pendeln.