Tote Fische im Delft

Historischer Stand: Dieser Beitrag dokumentiert den Sachstand vom 9. September 2026. Einzelne Angaben können sich seitdem verändert haben.

Wahrscheinlich die Kälte, aber nicht alles ist geklärt

Im Winter fielen mir im Emder Delft mehrere tote Fische auf. Im März berichtete auch die Ostfriesen-Zeitung über zahlreiche Funde. Stadt und Fischereiverband halten ein winterbedingtes Sterben von Meeräschen für die wahrscheinlichste Erklärung. Ganz vollständig ist die Datenlage allerdings nicht.

Wer am Delft entlanggeht, schaut gewöhnlich auf Boote, Möwen und das Wasser. Diesmal blieb mein Blick an etwas anderem hängen: Mehrere Fische trieben reglos an der Oberfläche.

Kein dramatisches Massensterben auf einen Blick. Aber genug, um sich zu fragen: Was ist hier passiert?

Offenbar war die Beobachtung kein Einzelfall. Die Ostfriesen-Zeitung berichtete am 19. März ebenfalls über zahlreiche tote Fische im Delft und im Binnenhafen. Nach Angaben der Stadt handelte es sich überwiegend um Meeräschen.

Die wahrscheinlichste Erklärung: der kalte Winter

Die Stadt Emden geht nach bisherigem Stand von einem natürlichen, winterbedingten Fischsterben aus. Meeräschen sind wärmeliebend und reagieren empfindlich auf niedrige Wassertemperaturen. Als Hauptursache gilt deshalb ein Kältestress oder Kälteschock.

Auch der Bezirksfischereiverband hält ein artspezifisches Problem für plausibel. Dass offenbar fast ausschließlich Meeräschen betroffen waren, spricht eher gegen ein allgemeines Schadstoffereignis. Externe Fachleute, die Stadtwalk dazu befragt hat, halten ebenfalls eine Kombination aus Kälte, Salzgehalt und geschwächten Tieren für möglich.

Ganz eindeutig ist die Sache trotzdem nicht.

Gemessen wurde nur begrenzt

NPorts ließ nach Angaben der Stadt den Sauerstoffgehalt messen. Dabei seien keine Auffälligkeiten festgestellt worden. Weitere Wasseruntersuchungen wurden jedoch nicht vorgenommen. Insbesondere chemische Einflüsse wurden nicht untersucht.

Damit ist die derzeitige Erklärung plausibel, aber nicht mit einer breiten Messreihe abgesichert. Der vorläufige Stand unserer Recherche lautet deshalb: Ein artspezifisches Winterproblem ist wahrscheinlicher als eine Verunreinigung – die schlichte Formel „Kälteschock“ erklärt aber vermutlich nicht alles.

Das ist kein Anlass, aus einigen toten Fischen einen Umweltskandal zu machen. Es ist aber ein guter Anlass, genauer hinzusehen.

Denn Ostfrieslands Gewässer sind Übergangsräume zwischen Meer, Brackwasser, Häfen, Kanälen und Binnengewässern. Welche Fischarten dort vorkommen und wie sie auf Belastungen reagieren, hängt unter anderem von Salzgehalt, Temperatur, Sauerstoff, Strömung und Jahreszeit ab.

Etwas gesehen?

Solche Beobachtungen sind noch kein Beweis für ein Umweltproblem. Sie können aber ein Frühwarnsignal sein. Hilfreich sind dann vor allem ein genauer Ort, Datum und Uhrzeit, Fotos und eine ungefähre Zahl der betroffenen Tiere.

Wer am Delft oder an anderen Gewässern in Emden ungewöhnlich viele tote oder taumelnde Fische, Verfärbungen, Schaum oder auffällige Gerüche bemerkt, kann Stadtwalk einen Hinweis schicken.

Wir schauen nach.