Landesbühne Wilhelmshaven am 22.09.26 um 19:30 mit „Der große Gatsby“ im Festspielhaus Emden
„Der große Gatsby – Das Musical“ im Festspielhaus am Wall: viel Musik, Tanz, Glanz und Spielfreude.
Um 19 Uhr ist die Halle des Festspielhauses am Wall noch überschaubar gefüllt. Eine halbe Stunde bleibt bis zum Beginn von „Der große Gatsby – Das Musical“. Am Tresen werden Wein und Bier bestellt, kleine Gruppen stehen zusammen, es wird begrüßt und geplaudert.
Nach und nach wird es voller.
Das Publikum ist auch an diesem Abend überwiegend älter. Aber diesmal fallen doch einige jüngere Gesichter auf, Menschen in ihren Zwanzigern und Dreißigern. Nicht viele. Aber immerhin.
An einem der Treppenaufgänge steht plötzlich eine Frau mit einem Buch in der einen und einem Mikrofon in der anderen Hand. Sie beginnt zu sprechen.
Weiter hinten in der Halle haben das zunächst längst nicht alle mitbekommen. Gespräche laufen weiter, irgendwo wird gelacht. Doch allmählich wird es ruhiger. Und mit der zunehmenden Stille wird auch ihre Stimme deutlicher.
Es ist Valeska Lembke, die Souffleurin der Landesbühne. Sie führt uns hinein in die Welt, die gleich auf der Bühne entstehen soll.
Und dafür holt sie weit aus.
New York in den 1920er Jahren. Wirtschaftlicher Aufschwung, rauschende Partys, Reichtum und eine Gesellschaft, die sich selbst im Glanz zu verlieren droht. Dann F. Scott Fitzgerald, dessen eigenes Leben eng mit jener Welt verbunden war, die er später in seinem Roman beschrieb.
Es geht um Fitzgerald und seine Zeit, um den Roman, um Verfilmungen – Robert Redford und Mia Farrow lassen grüßen –, um unterschiedliche Bühnenfassungen und schließlich um die Produktion, die an diesem Abend nach Emden gekommen ist.
Die Landesbühne spielt eine Musicalbearbeitung von Claus Martin, der Text und Musik geschrieben hat. Die Fassung wurde bereits 2012 uraufgeführt; in der jetzigen Produktion führt Olaf Strieb Regie, Simon Kasper hat die musikalische Leitung, Lenke Lemke die Choreografie übernommen.
Swing, Charleston, Jazz, Ragtime und Tango sollen diesen Gatsby-Abend prägen, dazu eine Live-Band, Tanz und opulente Ausstattung.
Ein Fest für die Sinne wird versprochen. Wir sind gespannt.
Kurz darauf strömen wir in den Saal. Es dauert ein wenig. Gemurmel zwischen den Sitzreihen, Begrüßungen, Menschen suchen ihre Plätze. Dann werden die Türen geschlossen. Das Licht wird heruntergedimmt.
Aber der Vorhang öffnet sich noch nicht. Stattdessen schiebt ihn ein Mann ein Stück zur Seite und tritt vor das Publikum.
Es ist Olaf Strieb, Intendant der Landesbühne Nord. Er begrüßt uns und freut sich über den gut gefüllten Zuschauerraum. Nur eine Sache bedauert er: Auch ihm ist offenbar aufgefallen, dass nur wenige junge Menschen im Publikum sind.
Dann spricht er über das Theater selbst. Darüber, dass wir hier gemeinsam sitzen, dass vor uns gleich Menschen aus Fleisch und Blut spielen werden und dass dieses unmittelbare Erlebnis wirklich durch nichts zu ersetzen ist.
Es geht neben kultureller Einzigartigkeit, aber auch ganz handfest um das finanzielle Überleben der Theater, was bereits einige Monate vorher während einer Agatha Christie Aufführung thematisiert wurde.
Strieb wünscht uns einen schönen Abend und verschwindet wieder hinter dem Vorhang.
Wenige Augenblicke später schwingt dieser elegant zur Seite.
Und dann hält sich die Inszenierung mit Vorreden nicht mehr auf.
Licht. Musik. Tanz. Glanz.
Die Bühne strahlt den Überfluss einer anderen Zeit aus. Das Licht wechselt zwischen gedämpftem Schimmer und greller Helligkeit. Kleider funkeln, Männer tragen Frack, überall Bewegung. Eine Bühne voller junger Menschen, die tanzen und singen, rauchen und trinken.
Alles scheint gleichzeitig zu passieren. Mittendrin: Nick Carraway.
Ein junger Mann auf der Suche nach Geld, nach Leben – und vielleicht auch nach der großen Liebe. Könnte das Jordan sein, die selbstbewusste, lebenslustige junge Frau, die ihn hineinführt in diese Gesellschaft?
Nick jedenfalls lässt sich bereitwillig mitreißen.
Er begegnet Tom Buchanan und einer Welt, in der an der Börse in kürzester Zeit Vermögen entstehen können. Hier lockt das große Geld, hier scheint das große Glück zum Greifen nah und keiner schert sich um den nächsten Tag.
Was zählt ist nur das Tempo. Das Leben läuft im Turbomodus.
Nick ist begeistert davon. Er begegnet Daisy Buchanan, schön, ein wenig geheimnisvoll und offenbar nicht ganz so unbeschwert, wie diese glänzende Welt zunächst glauben machen will.
Und dann fällt immer wieder ein Name.
Jay Gatsby.
Nicks geheimnisvoller Nachbar. Jung, reich, Gastgeber legendärer Partys und offenbar ein Mann, dem auch an der Börse Außergewöhnliches gelingt.
Doch hinter all dem Geld und dem sorgfältig inszenierten Glanz steckt etwas erstaunlich Einfaches: Gatsby will Daisy zurück.
Sie ist die Frau, die er einmal geliebt hat. Zu einer Zeit, als er noch nicht reich genug war, um auf eine gemeinsame Zukunft mit ihr hoffen zu dürfen. Nun besitzt er Geld, ein großes Haus, Einfluss und jene gesellschaftliche Stellung, die ihm damals fehlte.
Nur Daisy fehlt. Gatsby bittet Nick, sie auf eine seiner Partys mitzubringen.
Und für einen Moment entsteht zwischen all dem Lärm, dem Alkohol, dem Tanz und der rastlosen Jagd nach dem nächsten Vergnügen eine. Illusion. Wie ein transparenter Nebel, der durch diese überdrehte Welt nach oben steigt.
Aber natürlich bleibt es nicht lange unbemerkt.
Tom wird misstrauisch. Vor allem allerdings, weil plötzlich Gatsby ihm an der Börse gefährlich zu werden droht. Eine exorbitante Kurssteigerung, bei der Tom selbst verliert, weckt seinen Verdacht. Er lässt Gatsby beobachten.
Und daraus macht die Inszenierung eine der Szenen des Abends, die ganz besonders sind.
Zwei Frauen erscheinen auf der Bühne. Dunkel gekleidet, geheimnisvoll, mit Violinenkoffern in den Händen. Sie tragen diese Koffer wie Waffen.
Sie schleichen und tanzen über die Bühne, richten die schwarzen Kästen plötzlich nach vorn, gelegentlich sogar ins Publikum. Dazu erklingt Musik, die aus einem James-Bond-Film stammen könnte.
Es ist elegant und komisch und unheimlich zugleich.
Diese beiden Frauen sind nicht gekommen, um Geige zu spielen. Sie singen ihr Lied von ihrer besonderen Fähigkeit unsichtbar sein zu können. Und dabei alles herauszufinden, was ihnen beliebt.
Und wir ahnen: Für Gatsby beginnt in diesem Moment sein Untergang. Unaufhaltsam.
Natürlich finden die beiden etwas.
Gatsbys sagenhafter Reichtum erweist sich als Luftgebilde. Gemeinsam mit dem Börsenspezialisten Meyer Wolfshiem hat er auf steigende Kurse spekuliert. Reales Vermögen besitzt Gatsby kaum. Und Wolfshiem, der Mann, der ihm beim Aufstieg geholfen hat, wechselt rechtzeitig die Seite und verrät ihn.
Die Kurse brechen ein.Der Traum von Reichtum mit Daisy an seiner Seite platzt.
Dabei drängt sich allerdings eine Frage auf: Ist Tom Buchanan anders? Oder einfach nur raffinierter?
Auch seine Welt lebt vom Geld, von Spekulation, Einfluss und der Gewissheit, dass Besitz Sicherheit verschafft. Nur sitzt Tom bereits auf der richtigen Seite des Tisches und beherrscht die skrupellosen Methoden der neuen Zeit viel besser.
Und jetzt muss Daisy sich entscheiden.
Zwischen Gatsby und Tom. Vielleicht noch grundlegender: zwischen einer unsicheren Liebe und jener Welt aus Reichtum und gesellschaftlicher Sicherheit, in der sie bisher gelebt hat.
Sie entscheidet sich für Tom. Für Besitz. Für Sicherheit. Vielleicht auch für das falsche Leben, von dem sie längst weiß, dass es eines ist.
Gatsby bleibt zurück. Dann geht alles sehr schnell.
Daisy fährt mit Gatsbys Wagen nach Hause und erfasst Myrtle, die Geliebte ihres eigenen Mannes. Myrtle stirbt. Doch Gatsby wird für den Fahrer gehalten.
Myrtles Mann sucht ihn auf.
Und Gatsby scheint sich kaum noch zu wehren. Fast wirkt es, als sehne er die Kugel herbei. Der Traum, für den er sich diese ganze Existenz erschaffen hat, ist ohnehin zerbrochen. Daisy hat sich nicht für ihn entschieden.
Ein Schuss. Dann ist Gatsby tot.
Und plötzlich ist es still um einen Mann, dessen Haus zuvor voller Menschen war. Gatsby wird beerdigt. Nur Nick und der Pfarrer stehen am Grab.
Auch das ist ein starkes Bild dieses Abends: Die Partys sind vorbei, die Musik ist verstummt, der Glanz verschwunden. Von all den Menschen, die Gatsbys Nähe gesucht, bei ihm getrunken und getanzt haben, ist niemand mehr da.
Der Pfarrer spricht die bekannten Worte von Asche und Staub. Dann wird es grotesk: Auch er hatte in Gatsbys Luftaktien investiert, gesteht er, und Geld verloren. Jetzt wäre Buchanan wieder sein Börsenheiliger. Tom Buchanan sei schließlich ein Pfundskerl. Nick ist fassungslos. Er will weg.
Zurück in das ruhigere Leben, aus dem er gekommen ist. Weg von dieser Welt, in der jeder und jede schneller, größer und reicher werden muss – bis irgendwann nichts mehr übrig bleibt.
Er fragt Jordan, ob sie mit ihm kommen möchte. Aber auch sie bleibt. Auch sie will dieses Leben. Schnell, aufregend, reich.
Nick steht plötzlich allein da.
„Um welchen Preis?“, singt er.
Und aus dieser Frage wird der letzte große Ausbruch des Abends.
Noch einmal Musik. Noch einmal Körper in Bewegung. Wilder Tanz, Lautstärke, Tempo. Ein fulminanter Abgesang auf eine Welt, die sich an sich selbst berauscht und dabei kaum bemerkt, was sie verliert.
Dann wird die Bühne dunkel. Für einen kurzen Moment ist es vollkommen still. Und erst danach bricht der Applaus los.
Er wird schnell lauter. Beifallsrufe aus dem Zuschauerraum. Schließlich stehen die ersten Menschen auf, dann immer mehr.
Standing Ovations.
Dass dieser Abend so gut funktioniert, liegt daran, dass wir mitgenommen wurden in eine ferne und nahe Welt. In den Traum vom Schlaraffenland, wo ein bunte unbeschwerte Welt wie eine Tuch über einem Pfuhl liegt.
Die ganze Bühne war zwei Stunden lang ein faszinierende und beängstigende Anderswelt. Mir gefiel auch sehr gut Myrtle Wilson.
Ramona Marx spielt die Frau des Tankstellenbesitzers mit kratziger Stimme, selbstbewusst, ein wenig verrucht und mit einem körperlich spürbaren Hunger nach Leben. Sie will heraus aus dem engen Leben, das ihr zugedacht scheint, will Vergnügen, Geld, Aufmerksamkeit – vielleicht einfach die Möglichkeit, mehr zu sein.
Und gerade bei ihr bekommt das Versprechen dieser Welt noch einmal eine andere Bedeutung.
Jordan und Daisy bewegen sich bereits in jener Gesellschaft, in der Geld, Partys und Möglichkeiten selbstverständlich erscheinen. Myrtle steht draußen. Als Frau aus einer anderen sozialen Schicht hat sie wesentlich schlechtere Ausgangsbedingungen.
Was bei den anderen längst Dekadenz ist, wirkt bei ihr fast wie ein Aufbruch: Sie will teilnehmen an diesem Leben.
Dass ausgerechnet sie am Ende buchstäblich unter die Räder gerät, bekommt dadurch eine besondere Bitterkeit.
Stark ist auch Nick Carraway. Stefan Herrmann ist nicht nur Figur innerhalb dieser Geschichte, sondern zugleich ihr Erzähler. Wir sehen diese Welt ein Stück weit durch seine Augen: zunächst mit Staunen und Begeisterung, später zunehmend irritiert.
Er lässt sich hineinziehen in Geschwindigkeit, Geld und gesellschaftlichen Glanz – und wird schließlich zu demjenigen, der noch die Frage stellt, die sonst kaum jemand stellen möchte.
Um welchen Preis?
Gatsby selbst bleibt dabei seltsam schwer zu greifen.
Gregor Scheil spielt ihn mit einer leisen Traurigkeit, die selbst in den großen Momenten nicht ganz verschwindet. Über Gatsby wird viel erzählt. Andere reden über ihn, spekulieren über ihn, erzählen Geschichten über seinen Reichtum, seine Geschäfte, seine Vergangenheit.
Und selbst wenn Gatsby einmal selbst erzählt, bleibt die Unsicherheit.
Was davon stimmt? Was ist Erinnerung, was Selbstinszenierung, was vielleicht schon eine Geschichte, an die er selbst glauben möchte?
Gerade darin liegt etwas Berührendes. Seine Liebe zu Daisy wirkt irgendwann weniger wie eine gewöhnliche Liebesgeschichte als wie der Wunsch nach einem echten Leben. Nach etwas, das nicht gekauft, erfunden oder an der Börse hochgetrieben werden kann.
Nur ist auch diese Sehnsucht längst von den Vorstellungen jener Welt durchdrungen, aus der Gatsby eigentlich ausbrechen möchte. Selbst die Liebe braucht offenbar Geld, gesellschaftliche Stellung, das richtige Haus, die richtige Kleidung, die richtige Inszenierung.
Gatsby baut sich ein Leben, um irgendwann endlich wirklich leben zu können.
Und Daisy? Auch bei ihr wäre ein schnelles Urteil zu einfach.
Natürlich entscheidet sie sich am Ende für Tom, für Besitz und Sicherheit. Aber zugleich lebt auch sie in einer Zeit, in der sich für Frauen etwas verändert. Mehr Freiheit, mehr Selbstbewusstsein, mehr Möglichkeiten werden sichtbar. Jordan verkörpert das vielleicht noch deutlicher: unabhängig, lebenslustig, entschlossen, sich nicht in ein beschauliches Leben zurückzuziehen.
Doch diese neue Freiheit löst nicht automatisch die alten Widersprüche.
Auch Daisy hetzt. Von Vergnügen zu Vergnügen, von einem Gefühl zum nächsten, immer in Bewegung. Es gibt wenig Ruhe in dieser Welt und kaum einen Moment, in dem jemand einfach bei einem anderen Menschen bleibt.
Vielleicht liegt darin eine der spannenderen Seiten dieses Abends: Emanzipation und Konsumrausch, Freiheit und Rastlosigkeit liegen dicht beieinander.
Die Frauen der besseren Gesellschaft verfügen über Möglichkeiten, die Myrtle nicht hat. Sie können selbstbewusster auftreten, Beziehungen infrage stellen, genießen, entscheiden.
Aber auch sie haben deshalb noch keine einfachen Antworten darauf, wie sie eigentlich leben wollen.
Gatsby sucht Echtheit und baut dafür eine Illusion. Daisy sucht Freiheit und bleibt im Wohlstand gefangen. Jordan will unabhängig leben und entscheidet sich für die Geschwindigkeit. Myrtle will überhaupt erst hinein in diese Welt und bezahlt dafür den höchsten Preis.
Zu den schönsten Einfällen des Abends gehören weiterhin jene beiden Agentinnen, die Gatsby ausspionieren. Fast wortlos entwickeln sie mit Tanz, dunkler Kleidung und ihren wie Waffen getragenen Violinenkoffern eine kleine eigene Welt zwischen Gangsterfilm und James Bond.
Auch die Musikerinnen und Musiker drängen sich nie als separates Orchester in den Vordergrund. Die Live-Band mit Klavier, Schlagzeug, Bass, Gitarre, Saxofon beziehungsweise Klarinette und Trompete gehört sichtbar zur Produktion.
Sie wirkt innerhalb des Bühnenbildes beinahe selbstverständlich, als säßen die Musiker irgendwo in einer Bar dieser wilden Zwanziger und spielten eben zum nächsten Tanz auf.
Überhaupt liegt viel Energie in diesem Ensemble. Sie haben sichtbar Lust auf diesen Abend. Auf Tanz, Übertreibung, Glamour, schnelle Wechsel, Komik und Tragödie.
Diese Spielfreude bleibt nicht auf der Bühne. Sie springt über.
Als wir den Saal verlassen, bin ich deshalb vor allem beschwingt. Und offenbar geht es vielen anderen ähnlich.
Ich muss noch einmal an zwei ältere Herrschaften denken, die, kaum als der Vorhang nach der Pause sich hob und die Musik erklang, trocken feststellten:
„Nur die Musik ist etwas zu laut.“
Ich musste lächeln. Wie unterschiedlich man Kunst wahrnehmen kann.
Denn gerade diese Lautstärke, diese Geschwindigkeit und manchmal beinahe überbordende Energie gehörten für mich zu diesem Abend. Dieses Leben sollte gar nicht leise sein.
Es raste. Die Menschen tanzten, tranken, liebten, spekulierten und träumten, als müsse alles sofort geschehen. Und doch bleibt neben der guten Laune noch ein anderer Gedanke.
Da ist Meyer Wolfshiem, Gatsbys undurchsichtiger Geschäftspartner, in dieser Inszenierung gespielt von Christoph Sommer.
In der Aufführung selbst fällt keine antisemitische Zeichnung dieser Figur auf. Keine entsprechende Karikatur, keine demonstrativ ausgespielten Stereotype.
Aber der Name bleibt.
Wer Fitzgeralds Roman kennt, weiß, dass diese Figur dort mit antisemitischen Stereotypen gezeichnet ist. Die Musicalfassung übernimmt diese Zeichnung an diesem Abend nicht.
Und trotzdem funktioniert der Name wie eine kleine historische Markierung.
Vielleicht gehört auch das zur Begegnung mit einem hundert Jahre alten Stoff: Man kann ihn neu erzählen, manches verändern, anderes verschwinden lassen und stößt trotzdem gelegentlich auf Spuren der Zeit, aus der er stammt.
Draußen ist es jedenfalls deutlich ruhiger als in der Welt, aus der wir gerade kommen.
Keine Jazzband. Keine Luftaktien. Keine Frauen mit Violinenkoffern.
Und nach gut zwei Stunden im Turbomodus klingt der Abend in nachdenklich aus.
